Zuckerberg-Anhörung

Schaler Auftritt des Alleinherrschers

Von Roland Lindner, New York
11.04.2018
, 06:32
Seit er in der Klemme steckt, hat Mark Zuckerberg einen neuen Lieblingsbegriff – auf dem Facebooks Führungsstil bislang aber nicht gründete. Seine Äußerungen vor dem Kongress sind unverbindlich und ausweichend. Ein Kommentar.

Es war ein Marathon. Rund viereinhalb Stunden wurde Mark Zuckerberg am Dienstag in Washington von Kongressabgeordneten in die Zange genommen. Im Zuge der Affäre um den Missbrauch von Facebook-Daten fielen die Fragen der Politiker an den Vorstandsvorsitzenden des sozialen Netzwerks erwartet kritisch aus. Bedenkt man, wie unbehaglich Zuckerberg sich angeblich im Rampenlicht fühlt, machte er insgesamt eine passable Figur und hat sich keine allzu großen Schnitzer geleistet.

Aber er war auch oft auf frustrierende Art und Weise unverbindlich und ausweichend. Und vieles von dem, was er sagte, wirkte am Ende schal und einstudiert. Es ist fast schon ermüdend, wie oft er in diesen Tagen das Wort „Verantwortung“ in den Mund nimmt. Er tat das bei der Anhörung ein ums andere Mal, ebenso wie schon in der vergangenen Woche im Gespräch mit Journalisten. Facebook habe „keinen ausreichend breiten Blick auf unsere Verantwortung“ gehabt, sagt Zuckerberg gebetsmühlenartig, und genau das solle sich nun ändern.

Von einem Schlamassel in den nächsten gestolpert

Das mag löblich klingen, aber das Problem ist, dass Facebook gerade nicht auf Verantwortlichkeit ausgelegt ist. Zuckerberg hat das Unternehmen so strukturiert, dass er die Mehrheit der Stimmrechte kontrolliert und daher weitgehend schalten und walten kann, wie er will. Seinen anderen Aktionären ist er nur begrenzt Rechenschaft schuldig. Dabei hat er die Vorzüge der Börsennotierung von Facebook immer gerne mitgenommen, zum Beispiel als er den Kurzmitteilungsdienst Whatsapp aufkaufte und den üppigen Preis vor allem mit Facebook-Aktien bezahlte.

Zuckerberg sagt gerne, Facebook habe davon profitiert, ein „kontrolliertes Unternehmen“ zu sein, soll heißen es habe dem Unternehmen gut getan, dass er sein Alleinherrscher ist. Dass das soziale Netzwerk derzeit von einem Schlamassel in den nächsten stolpert, weckt genau daran aber Zweifel. Und wenn er nun einen Kulturwandel bei Facebook verspricht, ist das mit einiger Vorsicht zu genießen. Denn solange das Unternehmen nicht strenger reguliert wird, wird die neue Verantwortlichkeit nur so weit reichen, wie er es will.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot