Neues Premium-E-Auto EQC

Diesen Stromer schickt Mercedes gegen Tesla ins Rennen

Von Susanne Preuß, Stockholm
04.09.2018
, 19:04
Mit diesem Elektroauto geht Daimler gegen Tesla ins Rennen.
Elektromobilität war in Deutschland bisher eher ein Experimentierfeld. Jetzt aber ist die Henne-Ei-Diskussion erledigt, sagt Daimler-Chef Zetsche: „Das Ei ist jetzt gelegt. Jetzt geht es los.“
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Tesla hat der Welt gezeigt, dass ein Elektroauto kein Verzichtauto sein muss. Jetzt will Mercedes zeigen, dass der Erfinder des Automobils auch in dieser Disziplin ganz vorne mitspielt. EQC heißt das erste Modell der neuen Generation von Elektroautos, für die Mercedes die Submarke „EQ“ geschaffen hat. „Ich habe auf diesen Tag hingefiebert“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Dienstag in Stockholm, wenige Stunden bevor dort am Abend die Weltpremiere für dieses Auto gefeiert wurde: „Es ist ein schöner Tag.“

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Auf der Bühne dann preist er das Auto keineswegs mit Superlativen an, sondern spricht von einem „perfekten Gesamtpaket“ aus Innovation und Qualität, Design und Nachhaltigkeit. Zetsche greift den schwedischen Begriff „Lagom“ auf, für den es im Deutschen keine Übersetzung gibt: ein Begriff für das richtige Maß, nicht zu wenig, nicht zu viel – das passe auch zum EQC, sagt Zetsche. Dann aber beendet der Daimler-Chef seine Präsentation doch mit einem Satz, der aus Sicht des Stuttgarter Traditionskonzerns so etwas wie der absolute Superlativ ist, das größtmögliche Lob: „Der EQC ist nicht nur 100 Prozent elektrisch, er ist vor allem 100 Prozent Mercedes.“

Kann der neue E-Mercedes mit Tesla mithalten?
Kann der neue E-Mercedes mit Tesla mithalten? Bild: Daimler

Die Erwartungshaltung für das neue Elektro-Modell ist riesig, vor allem weil Tesla in einigen Märkten schon die Mercedes-S-Klasse als erfolgreichstes Auto in der Luxusklasse verdrängt hat. Das ist schmerzhaft für Daimler, nicht nur weil mit diesen Nobelautos die größten Margen erzielt werden, sondern weil man sich den Spitzenplatz nicht streitig machen will. Voller Pathos verkündete Daimler-Chef Zetsche dann vor zwei Jahren auf dem Autosalon in Paris: „Wir legen den Schalter um.“ Während es bisher nur den Kleinstwagen Smart sowie in einer Kleinserie die kompakte B-Klasse in einer Elektroversion gab, schafft Mercedes jetzt eine ganze elektrische Produktfamilie: Bis zum Jahr 2022 sollen zehn neue Stromer auf den Markt kommen, vom Kompaktwagen bis zur Luxuslimousine. „Damit haben wir dann etwa 60 Prozent der Fahrzeugsegmente abgedeckt“, kündigte Dieter Zetsche im Gespräch mit Journalisten an. Natürlich sei es klar, dass dazu in schneller Abfolge neue Modelle vorgestellt werden müssten.

Keine Gewissheit über schnellen Erfolg

Wer morgen aber zum Mercedes-Händler gehen will, um den EQC zu bestellen, wird erst einmal enttäuscht sein. Das Auto, eines jener geräumigen Sports Utility Vehicle, die sich in letzter Zeit größter Beliebtheit in den wichtigsten Märkten erfreuen, ist nun zwar mit der Premiere in Stockholm der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Bestellen kann man es aber erst „früh im Jahr 2019“, wie Zetsche es formuliert. Und dann werden sich die Kunden in Geduld üben müssen, denn die Produktion wird erst nach und nach hochgefahren.

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Das gehe nicht so schnell wie bei einem Verbrenner, wo man zig Jahre Routine habe, lautet die Ansage aus dem Stuttgarter Konzern. Vor allem die Koordination der Zulieferer rund um die Batterie, die ihrerseits keine Übung im Zusammenspiel haben, bringt neue Herausforderungen mit sich. Die Berichte über erhebliche Produktionsschwierigkeiten bei Tesla haben in Stuttgart wohl niemanden verwundert.

Erste Bilder vom Innenleben des neuen Mercedes EQ
Erste Bilder vom Innenleben des neuen Mercedes EQ Bild: Daimler

Strategie von Mercedes ist es, die Elektroautos jeweils in jenen Werken zu bauen, in denen auch die Modelle mit der klassischem Verbrennertechnologie entstehen – dies nicht zuletzt aus dem Kalkül heraus, dass es dann weniger relevant ist, wie erfolgreich die EQ-Modelle im Markt sind: in den gleichen Fabriken und mit der gleichen Belegschaft können Autos beider Antriebsarten produziert werden. Der neue EQC wird zuerst in Bremen gebaut, wo auch der GLC, die Verbrenner-Variante des dem EQC entsprechenden Geländewagens, produziert wird. Aus Bremen wird das Auto in die ganze Welt geliefert, außer nach China, wo mit einigen Monaten Verzögerung ebenfalls eine Produktion für Elektroautos starten soll.

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„Wir werden vom ersten Auto an Gewinn machen“

Allzu große Gewissheit über einen schnellen Erfolg lässt der Daimler-Chef derweil nicht erkennen. War bisher die Rede davon, dass bis im Jahr 2025 der Anteil der Elektroautos auf 15 bis 25 Prozent der gesamten Autoverkäufe steigt, spricht Zetsche jetzt unter Verweis auf die Rückmeldung aus den Märkten davon, dass der Wert wohl eher am unteren Ende dieser Bandbreite liegen könnte. Die Henne-Ei-Diskussion – ob man zuerst die Ladeinfrastruktur brauche oder zuerst die Produkte – werde jetzt aber nicht mehr geführt werden: „Das Ei wird jetzt gelegt. Jetzt geht es los.“ Am Preis soll der Erfolg des EQC nicht scheitern, machte Zetsche im Gespräch mit Journalisten deutlich und sprach von einer „sehr wettbewerbsfähigen Preisstellung“. Zuletzt war über Preise zwischen 60.000 und 70.000 Euro spekuliert worden. Der E-Tron, den Audi in wenigen Tagen präsentieren wird, soll in der Preisklasse von 80.000 Euro liegen.

Bis 2025 will Daimler die Nummer Eins sein unter den Anbietern von Elektroautos im Premiumsegment, lautet schon seit längerem das Ziel des Stuttgarter Konzerns. Dafür waren zunächst 10 Milliarden Euro Investitionen einkalkuliert, mittlerweile ist das Budget für die Elektromobilität offenbar deutlich erhöht worden. Auch mit Verweis auf die hohen Investitionen hat Daimler mittlerweile schon die Renditeerwartungen gedämpft. Das Ziel von 10 Prozent Umsatzrendite werde zumindest vorübergehend nicht mehr zu erreichen sein, räumt man in Stuttgart ein. Elektroautos seien gut für die CO2-Bilanz, aber nicht für die Konzernbilanz, lautet eine Kernaussage auf der Hauptversammlung. In Stockholm betonte Zetsche aber: „Wir werden vom ersten Auto an Gewinn machen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Preuss, Susanne
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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