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Beliebte Smartphone-App

Microsoft verhandelt über Tiktok

Von Roland Lindner, New York
Aktualisiert am 31.07.2020
 - 22:09
Tiktok ist zum Streitobjekt in Amerika geworden.
Die beliebte Smartphone-App könnte in Amerika einen neuen Eigentümer bekommen – in einer Zeit, in der Donald Trump über ein Verbot nachdenkt.

Es wäre ein Paukenschlag: Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft verhandelt Medienberichten zufolge über den Kauf der Smartphone-App Tiktok, die zum chinesischen Unternehmen Bytedance gehört. Die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ schrieb am Freitag, die Gespräche drehten sich um das Amerika-Geschäft von Tiktok. Es ist unklar, in welchem Stadium die Verhandlungen sind und in welchen Dimensionen sich der Preis bewegen könnte. Aber angesichts des rasanten Wachstums der Smartphone-App würde es sich wohl um einen stattlichen Betrag handeln.

Die Berichte über ein Kaufinteresse von Microsoft kommen in einer Zeit, in der der politische Druck auf Tiktok in den Vereinigten Staaten immer mehr zunimmt. Präsident Donald Trump sagte am Freitag, seine Regierung erwäge ein Verbot der App in Amerika. Mehrere Medien berichteten, Trump erwäge eine Anordnung, die Bytedance zum Verkauf der Amerika-Aktivitäten von Tiktok zwingen würden. Der Präsident und andere Vertreter der Regierung haben wegen Tiktoks Verbindung nach China Sorgen um Datenschutzpraktiken und etwaige Zensur geäußert.

Tiktok hat in jüngster Zeit verzweifelt versucht, auf Distanz zu China zu gehen und sich als amerikanisches Unternehmen zu geben. Kevin Mayer, ein früherer Top-Manager des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, wurde als Vorstandsvorsitzender angeheuert, und das Unternehmen hat versprochen, in den nächsten drei Jahren 10.000 Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu schaffen. Es hat Dutzende von Lobbyisten angeheuert, darunter auch einen mit sehr engen Verbindungen zu Trump.

Trumps Verbot wäre Rache an China

All das scheint bislang aber wenig genutzt zu haben, denn von der Regierung schlägt Tiktok weiter Feindseligkeit entgegen. Handelsbeauftragter Peter Navarro nannte den neuen Chef Kevin Mayer unlängst eine „Marionette“ der Chinesen. Finanzminister Steven Mnuchin bestätigte in dieser Woche erstmals, dass das gefürchtete Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), das Übernahmen unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit bewertet, sich im Nachhinein mit dem Kauf der App Musical.ly durch Bytedance im Jahr 2017 beschäftigt. Musical.ly wurde danach mit Tiktok verschmolzen. Das CFIUS-Gremium hat schon eine ganze Reihe von Akquisitionen vereitelt. Trump hat derweil jenseits von Sicherheitsbedenken auch andere Gründe ins Feld geführt, warum ihm Tiktok ein Dorn im Auge ist. Unlängst sagte er, ein Verbot eines so großen Geschäfts wie Tiktok wäre eine gute Möglichkeit, China dafür zu bestrafen, das Coronavirus über die Welt gebracht zu haben.

Microsoft ist nicht gerade ein offensichtlicher Käufer für Tiktok. Mit der Übernahme würde sich der Konzern, der vor allem für Bürosoftware und Cloud Computing bekannt ist, fast aus dem Stand ein starkes Standbein im Geschäft mit sozialen Netzwerken schaffen. Microsoft hat allerdings 2016 auch schon das Karrierenetzwerk Linkedin gekauft und dafür 26 Milliarden Dollar bezahlt. Sollte der Konzern bei Tiktok zum Zuge kommen, hätte das dominierende soziale Netzwerk Facebook auf einmal einen finanzstarken neuen Rivalen im eigenen Land.

In den vergangenen Tagen waren auch schon mögliche andere Transaktionen im Gespräch, um Tiktoks Verbindungen zu Bytedance zu lockern. So berichteten Medien, dass eine Gruppe amerikanischer Investoren wie Sequoia und General Atlantic, die auch Anteile an Bytedance halten, über eine mehrheitliche Übernahme von Tiktok verhandeln. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ schrieb, dabei stehe eine Bewertung für Tiktok von 50 Milliarden Dollar im Raum. Bytedance insgesamt ist zuletzt mit 100 Milliarden Dollar bewertet worden.

Microsoft nahm zu den Berichten über ein Interesse an Tiktok zunächst nicht Stellung. Eine Sprecherin von Tiktok sagte: „Obwohl wir uns nicht zu Gerüchten oder Spekulationen äußern, sind wir vom langfristigen Erfolg von Tiktok überzeugt.“ Tiktok sehe es als seine Verpflichtung, die Privatsphäre und Sicherheit seiner Nutzer zu schützen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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