Aktie gibt dennoch nach

Spotify wächst weiter stark

Von Benjamin Fischer
Aktualisiert am 29.10.2020
 - 15:00
Taylor Swifts „Folklore“ sei das bislang am stärksten gestreamte Album einer Künstlerin am Veröffentlichungstag auf Spotify gewesen (Bild aus 2019).
Deutlich mehr als 300 Millionen aktive Nutzer zählt der Musikstreaming-Marktführer mittlerweile. Auch die Abonnenten-Zahl legte im abgelaufenen Quartal stark zu. Selbst das Werbegeschäft hat sich erholt. Doch um einen Podcast gibt es Streit.

Ist Spotify mittlerweile profitabel? Die Frage kommt immer wieder auf, das weiß auch die Führungsriege rund um Daniel Ek. Ja, Spotify könne durchaus schwarze Zahlen vorlegen, wenn man es denn wollte, erklärte der Finanzchef des globalen Musik-Streamingmarktführers, Paul Vogel, im August im hauseigenen „For The Record“-Podcast. Doch noch gehe es in allen Bereichen weiterhin um Wachstum.

Dieser Faktor ist im Wettbewerb vor allem mit den Tech-Riesen Apple und Amazon weiterhin bedeutender für Spotify. Da verwundert es keineswegs, dass auch für das dritte Quartal diesen Jahres am Donnerstag ein Verlust vermeldet wurde: 101 Millionen Euro waren es von Juli bis September.

Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer auf der Plattform stieg hingegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf 320 Millionen, was dem oberen Ende der zuvor formulierten Erwartungen entspricht. Selbiges gilt für das Abonnenten-Wachstum: Nunmehr 144 Millionen bedeuten ein Plus von 27 Prozent im Jahresvergleich. Der Umsatz legte um 14 Prozent auf 1,98 Milliarden Euro zu. Analysten hatten mit einem Umsatz von zwei Milliarden Dollar gerechnet. Im frühen Handel verlor die Spotify-Aktie rund 4 Prozent.

In einigen schon stärker gesättigten Märkten habe das Nutzerwachstum angezogen und die Expansion nach Russland und 12 weitere Länder sei besser als erwartet gelaufen, heißt es von Spotify. Zudem habe sich das Werbegeschäft nach dem Corona-bedingten Einbruch erholt. Bis Ende des Jahres erwartet Spotify ein Wachstum auf 340 bis 345 Millionen aktive Nutzer sowie 150 bis 154 Millionen Abonnenten.

Durchschnittliche Einnahmen je Nutzer sinken weiter

Die Einnahmen über die Premium-Nutzer summierten sich im abgelaufenen Quartal auf 1,79 Milliarden Euro (ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Der Posten ist bei weitem der wichtigste Umsatztreiber für die Schweden. Zum Vergleich: Über die Nutzung der werbebasierten und in Funktionen eingeschränkten Gratis-Version wurde lediglich 185 Millionen Euro umgesetzt, was gleichwohl ein Plus von 41 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2020 bedeutet.

Das Angebot dient primär zum Generieren neuer Nutzer, die im Idealfall später ein Premium-Abonnement abschließen. Neben dem Einzelabo, das in Deutschland 9,99 Euro im Monat kostet, existieren diverse vergünstigte Angebote etwa für Studierende oder Familien. Zudem gibt es preisliche Unterschiede zwischen den 92 Ländern, in denen der Dienst verfügbar ist, wobei Spotify darauf hinweist, zum Oktober das Familienabo in sieben Märkten verteuert zu haben.

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Die durchschnittlichen Einnahmen je Nutzer sanken derweil weiter, im Jahresvergleich um 10 Prozent auf 4,19 Euro. Im zweiten Quartal waren es noch 4,41 Euro. Dieser Wert dürfte gerade die Musikrechte-Inhaber und Künstler interessieren. An die Labels und Verlage sowie Vertriebe oder Abrechnungsgesellschaften tritt Spotify bis zu 70 Prozent seiner Einnahmen ab. Gemäß den jeweils individuellen Verträgen zahlen diese dann wiederum Tantiemen an aufführende Künstler und Songwriter.

Die seit längerem schwelende Debatte darüber, ob der Künstleranteil an den steigenden Streaming-Einnahmen gerecht ist, wurde durch die Pandemie nochmals befeuert, da das enorm wichtige Live-Geschäft bis auf weiteres zum Erliegen gekommen ist. 2020 habe man in jedem Quartal mehr als eine Milliarde Euro an Rechteinhaber ausgezahlt, heißt es hierzu von Spotify.

Ärger wegen Podcast-Star Rogan

Der verstärkte Fokus auf Podcasts mit prominenten Hosts wie beispielsweise Michelle Obama ist daher nicht zuletzt ein Weg, um unabhängiger von der Musik zu werden. Teilweise produziert das schwedische Unternehmen nach einigen Zukäufen in diesem Bereich die Inhalte auch gleich selbst. Nunmehr seien auf Spotify 1,9 Millionen Podcasts verfügbar, 400.000 mehr als im zweiten Quartal des Jahres und 22 Prozent der monatlich aktiven Nutzer hätten das Angebot genutzt.

Gleichwohl gibt es seit einiger Zeit Berichte über internen Ärger wegen Joe Rogan und dessen Podcast „The Joe Rogan Experience“. Als einer der bekanntesten Podcaster Amerikas ist Rogan einer der Stars für Spotify – die Exklusivvereinbarung hat die Schweden viel Geld gekostet. Mitarbeiter sollen sich jedoch über einige Folgen beschwert haben. Zuletzt hatte Rogan den amerikanischen Verschwörungstheoretiker Alex Jones interviewt.

Deutlich angenehmer dürfte da die Erkenntnis sein, dass die Nutzer im zurückliegenden Quartal wieder mehr Musik hörten. In allen Regionen hätten sich die Zeiten wieder erholt und die globale Nutzung liege über dem Level von vor Beginn der Pandemie. Im Vergleich zum zweiten Quartal sei zudem 13 Prozent mehr Musik auf der Plattform zur Verfügung gestellt worden. Hervorgestochen habe – wenig überraschend – Taylor Swift mit ihrem am 24. Juli veröffentlichten Album. „Folklore“ sei das bislang am stärksten gestreamte Album einer Künstlerin am Veröffentlichungstag gewesen. Swift kommt bislang auch auf die meisten Streams unter allen Künstlerinnen und Künstler überhaupt auf Spotify in diesem Jahr.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Redakteur in der Wirtschaft.
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