Gesichtserkennungssoftware

Clearview AI muss Millionenbußgeld für illegales Verwenden privater Fotos zahlen

Von Philip Plickert, London
23.05.2022
, 13:23
Clearview-AI-Gründer Hoan Ton-That demonstriert seine Gesichtserkennungssoftware.
Nächster Rückschlag für das Gesichtserkennungs-Start-up Clearview AI. Großbritannien ordnet an, dass britische Fotos aus der Datenbank gelöscht werden müssen.
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Das umstrittene amerikanische Unternehmen Clearview AI für Gesichtserkennung-Software ist von einer britischen Behörde wegen illegaler Praktiken zu einer Millionenstrafe verurteilt worden. Das Start-up aus New York muss 7,5 Millionen Pfund (9 Millionen Euro) Strafe zahlen, entschied die britische Datenschutzbehörde Information Commissioner’s Office (ICO). Grund sei die Verletzung der Privatsphäre von Nutzern sozialer Netzwerke.

Clearview AI habe illegal bis zu 20 Milliarden Fotos von Gesichtern aus dem Internet abgegrast und für eine Datenbank für eine Gesichtserkennungs-Software mit Künstlicher Intelligenz genutzt, teilte das ICO mit. Die Datenschutzbehörde ordnete an, dass Clearview AI das Sammeln und Verwenden von Bildern britischer Bürger sofort stoppen müsse. Die existierenden Daten müssten gelöscht werden. „Auch wenn Clearview AI seine Dienste nicht mehr britischen Organisationen anbietet, hat die Firma Kunden in anderen Ländern und daher verwendet die Firma immer noch die persönlichen Daten von Briten“, monierte die Datenschutzbehörde.

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Die Geldbuße ist für Clearview der nächste Rückschlag, nachdem es erst im März in Italien zu einer Strafzahlung von 20 Millionen Euro wegen Datenschutzverstößen verurteilt wurde. Schwerer wiegt noch der Anfang Mai getroffene außergerichtliche Vergleich nach einer Klage der „American Civil Liberties Union“ (ACLU) wegen Verstoßes gegen ein Datenschutzgesetz in Illinois.

„Illegale Datenbank“

Demnach darf Clearview AI künftig seine Gesichtserkennungssoftware nicht mehr an private Unternehmen und Privatleute in den USA verkaufen. Außerdem muss es in Illinois mit Online-Anzeige eine Opt-out-Option bewerben, sodass Bürger ihre Bilder löschen können. Der Anwalt von Clearview sagte, die außergerichtliche Einigung ändere „nichts am derzeitigen Geschäftsmodell“ des Unternehmens.

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Das in New York ansässige, 2017 gegründete Start-up hat eine App zur Gesichtserkennung entwickelt, die auf eine riesige Datenbank zurückgreift. Kunden können Photographien hochladen, die App versucht dann die Personen zu identifizieren. Zahlreiche Polizeiorganisationen und Unternehmen in den USA und einigen anderen Ländern nutzen das Computerprogramm. John Edwards, der britische Datenschutzchef, sagte, die Firma ermögliche die Identifizierung von Personen durch ihre illegale Datenbank und erlaube damit sogar eine Überwachung ihres Verhaltens. „Das ist inakzeptabel.“

„Erfolgsgeschichten“ für die Verbrechensbekämpfung

Das von Co-Gründer Hoan Ton-That geführte Unternehmen hat auf seiner Website einige „Erfolgsgeschichten“ zur Verbrechensermittlung Dank seiner Software publiziert. Beispielsweise sei es US-Strafverfolgungsbehörden damit gelungen, einen Mann, der reihenweise Kinder sexuell missbrauchte, in Las Vegas festzunehmen. In Miami wurde jüngst ein Tankstellen-Raubmörder nach Bildern einer Überwachungskamera identifiziert.

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Zuletzt hatte Clearview angekündigt, seine Technik der ukrainischen Armee zur Verfügung zu stellen. Diese will damit getötete russische Soldaten identifizieren, um Familien informieren zu können, hofft aber auch, Verdächtige an Checkpoints erkennen zu können.

Nach eigenen Angaben hat Clearview seine Datenbank mit Milliarden Bildern zur Gesichtsidentifikation aus „öffentlich zugänglichen Quellen, einschließlich Medien, Seiten mit Polizeifotos, öffentlichen sozialen Medien und anderen offenen Quellen“ zusammengesucht – allerdings ohne je das Einverständnis der Abgebildeten zu erlangen. Ziel sei eine Datenbank mit 100 Milliarden Bildern. Derzeit versucht das Unternehmen von Investoren 50 Millionen Dollar für seine Expansionspläne einzusammeln.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Plickert, Philip
Philip Plickert
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
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