Plan der EU-Kommission

Ein Ladekabel für alle Elektrogeräte

Von Hendrik Kafsack, Brüssel
22.09.2021
, 18:41
Welches Kabel soll es denn sein?
Die EU-Kommission will die Hersteller von Handys, Kameras und E-Readern zwingen, alle Geräte per USB-C-Anschluss zu laden. Das würde vor allem Apple treffen.
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Es ist ein Ärgernis. Wer im Urlaub, auf Geschäftsreise oder auch nur im Büro sein Ladekabel vergisst, kann sich nicht drauf verlassen, dass er sein Mobiltelefon, seinen Tablet-Computer, seine Digitalkamera oder seinen E-Reader mit dem Ladekabel von jemand anderem aufladen kann. Zwar hat sich die Zahl der Ladegeräte stark verringert. Gab es vor zehn Jahren noch 30 verschiedene Typen, sind es heute nur noch drei. Aber auch das Nebeneinander von Micro-USB, USB-C und den Lightning-Anschlüssen von Apple genügt, um weit entfernt von dem seit Jahren angestrebten „Kabel für alle Zwecke“ zu sein. Die Europäische Kommission will es deshalb nicht mehr länger den Herstellern selbst überlassen, eine Lösung zu finden. Sie will die Hersteller verpflichten, dass alle Elektrogeräte – vom Iphone bis zur Digitalkamera – per USB-C-Anschluss geladen werden können.

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Einen entsprechenden Vorschlag will EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton an diesem Donnerstag in Brüssel vorlegen. Ein achtzehn Seiten langer Entwurf des Vorschlags liegt der F.A.Z. vor. Teil des Vorschlags ist auch, dass die Hersteller ihren Kunden neue Geräte ohne Ladekabel anbieten müssen. Die Kommission verzichtet aber darauf, den Verkauf mit Ladekabel komplett zu verbieten. Um zu vermeiden, dass es künftig beim kabellosen Laden elektrischer Geräte ein vergleichbares Nebeneinander verschiedener Ladestationen gibt, behält sich die Kommission zudem vor, in einem vereinfachten Gesetzesverfahren auch hierfür einen einheitlichen Standard vorzuschreiben.

Zustimmung des Parlaments ist so gut wie sicher

Der Vorstoß von Breton soll nicht nur den Verbrauchern das Leben erleichtern, sondern auch den Elektroschrott reduzieren. Wenn die Nutzer mit demselben Kabel alle Geräte laden könnten, verringere das die Menge des jährlich anfallenden Elektroschrotts um 980 Tonnen, rechnet die Europäische Kommission in dem Entwurf vor. Die Verbraucher könnten im Jahr 250 Millionen Euro sparen, weil sie auf den Kauf neuer Ladekabel verzichten könnten. Die Kosten der Umrüstung und des Verkaufs ohne Ladekabel für die Hersteller werden mehr als dadurch ausgeglichen, dass der Handel die Ladekabel einzeln verkaufen könne.

Bevor die neuen Regeln in Kraft treten können, müssen das EU-Parlament und die Staaten dem Vorschlag von Breton zustimmen. Die Zustimmung des Parlaments ist dabei so gut wie sicher. Es hatte die Kommission schon Anfang 2020 aufgefordert, einen Vorschlag für einheitliche Ladekabel vorzulegen. Die Kommission wollte das ursprünglich schon im Herbst 2020 tun, hatte den Vorschlag aber auch wegen der Corona-Krise auf diesen Herbst verschoben.

Widerstand gegen den Vorstoß von Breton ist vor allem von dem amerikanischen Konzern Apple zu erwarten. Der will an dem Lightning-Anschluss festhalten, der in allen Iphones, aber auch manchen seiner Tablet-Computer eingebaut ist. Apple hat sich, seit die EU vor mehr als zehn Jahren den ersten Anlauf unternommen hat, einheitliche Ladekabel für Mobiltelefone einzuführen, eben dagegen gewehrt und argumentiert, die Standardisierung behindere Innovationen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hendrik Kafsack
Hendrik Kafsack
Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
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