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Holt die Rechner ins Zentrum der Stadt!

Von Niklas Maak
Aktualisiert am 22.11.2020
 - 10:54
Sieht aus wie eine Neue Nationalgalerie für Algorithmen: Entwurf des Data Centers „The Spark“ des norwegischen Architektenbüros Snøhetta.
Serverfarmen sind in der digitalen Welt, was früher Schlösser waren: der Sitz der Macht. Aber sie sind unsichtbar, und was mit ihren Daten dort passiert, ist vielen egal. Sollte es aber nicht.

Für eine sehr lange Zeit, und eigentlich auch bis vor kurzem, musste man sich eine Stadt nur kurz anschauen, und man verstand, wo die Macht saß: Im Mittelalter ragte die Burg aus der Stadt heraus, die sich in ihrem Schutz angesiedelt hatte, später waren die großen Rathäuser der freien Städte Symbole des bürgerlichen Stolzes und Gegenbauten zu den Burgen der Feudalherren, die das Land kontrollierten. In der modernen Konsumgesellschaft waren es die Bürotürme der großen Konzerne; die Wolkenkratzer von Woolworth und Chrysler standen weit sichtbar in der Stadt wie gebaute Ausrufezeichen hinter der Ansage, wer im Kapitalismus das Sagen hat. Und jetzt?

Es heißt immer, dass die digitale Revolution alles so radikal verändere wie seit Beginn der Industrialisierung nicht mehr, der Einfluss von Digitalkonzernen auf Wirtschaft und Politik ist offensichtlich; aber diese Verschiebungen bilden sich nicht mehr in den Städten ab. Es gibt keinen Googlescraper in Form einer futuristischen architektonischen Suchmaschine und keinen riesenkartonförmigen Amazon Tower. Die Stadtzentren werden idyllisiert, begrünt, verkehrsberuhigt, und wenn etwas wirklich Großes gebaut wird, dann sind es Konzertsäle. Oder Museen. Oder Nachbauten von Schlössern, die als Museen dienen. Gibt es neue Orte für das durch die Digitalisierung veränderte Leben, gibt es ein Centre Pompidou fürs digitale Zeitalter, ein Data Center, in dem Bürger und Schulklassen lernen können, was gerade mit ihnen passiert, wie Digitalisierung funktioniert, wer die Algorithmen programmiert, die immer beherzter in unsere Leben eingreifen, was unsere Daten, die wir freiwillig weggeben, wert sind (zusammen viele Milliarden) und wie wir die Hoheit über sie zurückholen und was wir mit ihnen und den vielen Milliarden machen könnten?

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Maak, Niklas
Niklas Maak
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