Musikdienst wächst weiter

Kein Netflix-Schock für Spotify

Von Benjamin Fischer
27.04.2022
, 16:18
Umstrittener Star-Podcaster: Joe Rogan
Im Gegensatz zum Video-Dienst verliert Spotify keine Abonnenten – und das obwohl der Russland-Rückzug schon rund 1,5 Millionen zahlende Nutzer gekostet hat. Dessen Folgen werden auch im laufenden Quartal ins Gewicht fallen.
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Erst die Kontroverse um den ebenso beliebten wie umstrittenen Podcast-Star Joe Rogan, dann die Bekanntgabe des rund 300 Millionen Dollar schweren Sponsoring-Vertrags mit dem FC Barcelona, der auch die Namensrechte am legendären Camp Nou mit einschließt: Das erste Quartal war aus Spotify-Sicht alles andere als ereignisarm.

Natürlich traf auch der Ukraine-Krieg das Geschäft des Musikstreaming-Marktführers. Die Russland-Büros schloss der Dienst schon früh. Zudem wurde der Zugang zu Inhalten von russischen Staatsmedien eingeschränkt und das Angebot von RT und Sputnik in der EU und „anderen Märkten“ entfernt. Die Plattform selbst blieb zunächst verfügbar. Mitte März wurde jedoch das Abo-Angebot eingestellt, rund zwei Wochen später – unter Verweis auf mögliche Konsequenzen für Mitarbeiter und Hörer aufgrund der neuen russischen Mediengesetzgebung –, auch die werbebasierte Gratis-Version.

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Plus von rund 2 Millionen Abonnenten

Zum Ende des ersten Quartals 2022 zählte Spotify nun 182 Millionen Abonnenten und 422 Millionen monatlich Nutzer – nach 180 Millionen respektive 406 Millionen zum Ende des vergangenen Jahres. Bei den monatlich aktiven Nutzern fiel laut Spotify allerdings ein Einmaleffekt ins Gewicht: Nach technischen Schwierigkeiten im März hatten einige Nutzer einen neuen Account anlegen müssen, was auf dem Papier zu rund drei Millionen zusätzlichen monatlich aktiven Nutzern geführt habe.

Der Rückzug aus Russland schlug mit dem Verlust von rund 1,5 Millionen Abonnenten zu Buche. Dies hatte Finanzchef Paul Vogel schon Mitte März vorweggenommen und damals bemerkt, ohne diesen Effekt bewege man sich oberhalb der Erwartungen, was auch implizierte, dass sich Kündigungen auf Grund der Joe Rogan-Debatte offenbar in Grenzen hielten. Den Russland-Effekt außen vorgelassen habe der Abonnenten-Zuwachs folglich die Prognose übertroffen und die Geschäftsentwicklung sei insgesamt sehr zufriedenstellend, heißt es von Spotify. Vor allem in Lateinamerika und Europa habe das Wachstum über den Erwartungen gelegen.

Diese Prognose war mit einem Plus von drei Millionen (und 418 Millionen aktiven Nutzern) freilich auch eher zurückhaltend ausgefallen und hatte für Enttäuschung unter Investoren gesorgt – auch weil der Dienst ankündigte, fortan keine Jahresprognose mehr abzugeben. Für das laufende Quartal rechnet Spotify mit einem Plus auf 187 Millionen Abonnenten. Hier dürften weitere 600.000 Abo-Verluste durch den Abschluss des Rückzuges aus Russland ins Gewicht fallen, wie aus der Mitteilung des schwedischen Unternehmens hervorgeht. Vorbörslich notierte die Aktie knapp drei Prozent im Plus, verlor jedoch im späteren Verlauf auf Grund des Ausblicks zeitweise rund 10 Prozent, nachdem sie auch im Sog der schwachen Netlix-Zahlen zuletzt unter Druck geraten war.

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Angesprochen auf den ersten Abonnenten-Verlust des Video-Dienstes seit mehr als 10 Jahren, betonte Spotify-Chef Daniel Ek im Gespräch mit Investoren nach Vorlage der Zahlen, er sehe nur bedingt Parallelen zwischen Netflix und Spotify. Natürlich seien beide Medien-Unternehmen und arbeiteten mit Abos, „doch da enden die Ähnlichkeiten schon“, so Ek. Im Gegensatz zu Netflix lizensiere Spotify etwa einen Großteil seiner Inhalte und produziere sie nicht selbst, zudem verfüge Spotify über ein starkes Gratis-Angebot mit Werbung. Generell werde der Audio-Markt weiterhin stark wachsen. Der Schwede betonte auch nochmal den Reiz des kostspieligen Barca-Sponsorings und verwies unter anderem auf die große Fan-Schar und Strahlkraft der Marke FC Barcelona.

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Der Spotify-Umsatz legte im Vorjahresvergleich um 24 Prozent auf 2,66 Milliarden Euro zu. Hiervon stand das Abo-Geschäft für rund 2,4 Milliarden Euro (plus 23 Prozent) und die Werbeeinnahmen für 232 Millionen Euro. Letztere wuchsen zwar im Vergleich zum ersten Quartal vergangenen Jahres um 31 Prozent. Mit Blick auf das traditionell starke Werbe-Weihnachtsgeschäft steht jedoch abermals ein Minus zum vierten Quartal 2021 zu Buche (28 Prozent). Hieraus resultiert auch ein Teil des Minus' des Gesamtumsatzes von ein Prozent. Das Russland-Geschäft wiederum stand für weniger als 1 Prozent des Gesamtumsatzes, erklärte Vogel am Mittwoch. Unterm Strich stand nach 23 Millionen Euro im Vorjahr ein Gewinn von 131 Millionen Euro zu Buche.

Podcasts im Fokus

Die durchschnittlichen Einnahmen je Abonnent – ein Wert, der gerade auch in der Musikindustrie sehr genau beobachtet wird – legten derweil im Vorjahresvergleich um 6 Prozent zu. 4,38 Euro bedeutet jedoch ein leichter Rückgang im Vergleich zu den 4,40 Euro im vierten Quartal 2021. Spotify verwies einmal mehr auf den Effekt von Preiserhöhungen. Im weiteren Verlauf des Jahres dürfte das Wachstum des Werts aber zunächst abflachen, hieß es gegenüber Investoren. Der Standardpreis des Einzelabos, 9,99 Euro oder Dollar, wurde bislang jedoch weder vom Marktführer noch von den größten Konkurrenzen aus dem Hause Apple und Amazon sowie Youtube in einem großen Markt angepasst. Lediglich der deutlich kleinere Dienst Deezer verlangt mittlerweile auch in Deutschland von Neukunden 10,99 Euro im Monat. Grundsätzlich schütten die Streaming-Dienste allesamt rund zwei Drittel ihrer Gesamteinnahmen an die verschiedenen Rechteinhaber der Musik aus. Nach eigenen Angaben belief sich die Zahlung von Spotify 2021 auf rund sieben Milliarden Euro.

Die konservative Preispolitik könnte Spotify & Co in Anbetracht der allgegenwärtigen Kostensteigerungen und möglichen Erwägungen von Nutzern, Dienste zu kündigen, kurzfristig zugute kommen. Als Grund für die Zurückhaltung der Musik-Dienste wird auch stets ihre Ähnlichkeit angeführt. Spotify hat im Gegensatz zu Apple, Amazon, Deezer oder auch Tidal zwar noch wie vor keine Hifi-Qualität im Angebot. Die Musikkataloge der Anbieter sind allerdings nahezu gleich.

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Dies ist auch ein Grund für Spotifys „Audio first“-Strategie, in deren Rahmen der Dienst stark in den Bereich Podcasts investiert. Einerseits durch Übernahmen, andererseits in Form von gut dotierten Exklusiv-Deals mit möglichst prominenten Hosts wie eben jener Joe Rogan, der bis zu 200 Millionen Dollar für den exklusiven Vertrieb seiner Show bekommen haben soll. Auch mit Barack und Michelle Obama hat der Dienst einen Exklusiv-Vertrag, der aber offenbar auslaufen soll, wie Bloomberg kürzlich berichtete.

Insgesamt zählte Spotify zum Ende des ersten Quartals vier Millionen Podcasts nach 3,6 Millionen im letzten Quartal des vergangenen Jahres. Die stärkere Nutzung von Podcasts soll Spotify perspektivisch auch unabhängiger von der Musikindustrie und gleichzeitig attraktiver für Werbekunden machen. Denn Podcast-Werbung bekommen auch Abonnenten eingespielt und nicht nur die Nutzer der in Funktionen eingeschränkten Gratis-Version, wo Werbung auch den Musikkonsum unterbricht.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Redakteur in der Wirtschaft.
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