Elektro-Mobilität

Die nächste Batteriezellfabrik in Deutschland entsteht

Von Martin Gropp
19.11.2020
, 15:10
Der chinesischer Hersteller Svolt will für einen Milliardenbetrag Produktion im Saarland aufbauen. Deutschland wird zum Batterie-Standort.

Deutschland entwickelt sich immer mehr zu einem Standort für die Fertigung von Elektroautobatteriezellen. Wie die saarländische Landesregierung und der chinesische Zellhersteller Svolt Energy gemeinsam bekanntgaben, baut Svolt seine geplante europäische Zellfabrik im Saarland auf.

Genau genommen handelt es sich dabei um zwei Standorte: In Überherrn, südwestlich von Saarlouis, entsteht die eigentliche Zellfabrik. In dem ungefähr 30 Kilometer entfernten Heusweiler soll zudem eine Pack- und Modulfertigung entstehen, in der die Zellen zusammengesetzt werden.

Svolt will dafür in mehreren Schritten insgesamt bis zu 2 Milliarden Euro investieren. Die Ansiedlung ist auf eine Gesamtproduktionskapazität von bis zu 24 Gigawattstunden im Jahr ausgelegt und soll in der letzten von vier Ausbaustufen bis zu 2000 Menschen Arbeit bieten. Der Produktionsstart ist für das Jahr 2023 angesetzt.

CATL baut ein Werk in Thüringen

Svolt ist nicht das erste Unternehmen, das hierzulande eine Batteriezellfertigung errichten will. So zieht der chinesische CATL-Konzern derzeit nahe dem Erfurter Kreuz in Thüringen ein Werk hoch. In Salzgitter arbeiten VW und der schwedische Zellanbieter Northvolt zusammen an einer Produktionsstätte. Im Opel-Werk in Kaiserslautern bauen wiederum der französische Opel-Eigentümer PSA sowie der französische Saft-Konzern eine Produktion auf.

Inklusive der Svolt-Fabrik beläuft sich die in Deutschland geplante Gesamtkapazität für Batteriezellen auf bis zu 82 Gigawattstunden im Jahr. Damit ließen sich jährlich etwa 1,7 Millionen Elektroautos bestücken.

Wer die Zellen von Svolt abnehmen soll, wollte das Unternehmen zunächst nicht offenlegen. Man sei aber in aktiven Gesprächen mit allen europäischen Autoherstellern, hieß es.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sprach von „unumwunden guten Nachrichten“ für sein Bundesland, das sich ihm zufolge am Ende des Auswahlprozesses gegen 31 Mitbewerber aus ganz Europa durchgesetzt hat. Laut Svolt-Europa-Chef Kai-Uwe Wollenhaupt haben mehrere Argumente für das Saarland gesprochen, darunter die hochqualifizierten Mitarbeiter, die nachhaltige Energie, mit der die Batteriezellen gefertigt werden sollen, sowie die zentrale Lage in Europa.

Nach Angaben der saarländischen Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) wird das Land und der Bund die Svolt-Ansiedlung finanziell über die sogenannte GRW-Förderung unterstützen. Wie viel öffentliches Geld dafür fließt, konnte Rehlinger noch nicht beziffern.

Gleichwohl geht das Saarland in Vorleistung und wird über die landeseigene Strukturholding Saar das Bauland für Svolt kaufen und dort auch die Hochbauarbeiten vornehmen. Geplant ist, die Gebäude später an das Unternehmen zu vermieten oder zu verkaufen.

Quelle: F.A.Z.
Martin Gropp - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot