Tech-Konzern aus Südkorea

Mikrochips bremsen Samsung

Von Patrick Welter, Tokio
30.01.2020
, 15:37
Ein Angestellter geht an einem Logo des Elektronikherstellers Samsung vorbei.
Der Technologiekonzern muss eine Halbierung des Gewinns verkraften. Vor allem die wichtigste Sparte macht den Koreanern zu schaffen.
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Nach einem schlechten Jahr 2019 setzt Samsung Electronic auf eine moderate Erholung des Geschäfts mit Speicherchips. Doch entgegen einer weit verbreiteten Zuversicht, dass mit der Annäherung Amerikas und Chinas in Handelsfragen und dem 5G-Ausbau von drahtlosen Telefonnetzen der Elektronikbranche ein Aufschwungjahr bevorstehe, blieb Samsung in seiner Prognose sehr zurückhaltend. Es sei nicht auszuschließen, dass der Nachfrageschub gedämpft werde, erklärte der größte Hersteller von elektronischen Speicherbausteinen und Smartphones am Donnerstag vor Analysten. Samsung verwies zur Begründung auf die Unsicherheiten im Handelskonflikt und auf mögliche Folgen der Virus-Epidemie in China.

Samsung hatte zuvor das – gemessen am Gewinn – schlechteste Jahresergebnis seit 2015 vorgelegt. Mit 21,74 Billionen Won (16,7 Milliarden Euro) halbierte sich der Überschuss gegenüber dem Vorjahr in etwa. Der Umsatz fiel um 5,5 Prozent auf 230,4 Billionen Won. Die Gewinnmarge sank von 18 auf 9 Prozent. Samsung bestätigte somit weitgehend seine Anfang Januar veröffentlichte Gewinnschätzung für das vierte Quartal. An der Börse in Seoul verlor der Anteilsschein von Samsung nach Vorlage der Geschäftszahlen 3,2 Prozent auf 57200 Won.

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Die Jahresbilanz wurde vor allem durch den Nachfragerückgang und den Verfall der Preise für Speicherchips verdunkelt, nachdem 2018 nach einem ausgedehnten Aufschwung eine zyklische Korrektur begonnen hatte. Der Umsatz mit Speicherchips fiel im vergangenen Jahr um 31 Prozent auf 50,22 Billionen Won. Der operative Gewinn in der Halbleitersparte sank um 69 Prozent auf 14 Billionen Won. Trotzdem ist der Bereich immer noch der mit Abstand wichtigste Gewinnbringer des südkoreanischen Unternehmens, nachdem die Mobiltelefone in dieser Rolle schon vor Jahren ausgedient hatten.

Samsung zeigt eine gewisse Stagnation

Halbleiterproduzenten wie Intel und TSMC aus Taiwan hatten in den vergangenen Tagen optimistische Jahresausblicke gegeben. Samsung schloss sich der Zuversicht nur bedingt an. Es erwartet eine solide Nachfrage nach sogenannten Dram-Chips, weil Anbieter von Datenzentren ihre Investitionen ausdehnten und ihre Lagerbestände an Halbleitern auffüllten. Es sei aber unsicher, ob diese Nachfrage in einen stabilen Aufwärtszyklus münden werde. Sicherer ist Samsung sich über das Nachfragewachstum von mehr als 20 Prozent für Nand-Speicherbausteine, die in Computern oder Smartphones der Datenspeicherung dienen. Doch auch hier mahnte der Marktführer zur Vorsicht. Hoffnungen richten sich darauf, dass mit dem Ausbau von 5G-Netzen in Amerika, China oder Japan Verbraucher neue Handys oder Tablet-Rechner kaufen, die mehr Speicherkapazität bieten.

An anderer Stelle will Samsung beim erwarteten 5G-Geschäft indes kräftig mitspielen. Nachdem der chinesische Mitbewerber Huawei im Ausland auf Druck Amerikas Hemmnisse in den Weg gelegt bekommt, am Ausbau des 5G-Netzes teilzuhaben, wittert Samsung Chancen. Der Konzern strebt an, in Amerika seine Präsenz im 5G-Netzwerkmarkt auszubauen und sucht Chancen, auch in Europa Fuß zu fassen. In Korea selbst wird Samsungs 5G-Netzwerkgeschäft in diesem Jahr schrumpfen, nachdem das Land schon im vergangenen Jahr den Netzausbau stark vorangetrieben hatte. Vor allem aber soll der erwartete 5G-Trend Samsungs Geschäft mit Mobiltelefonen, dem hinter den Speicherchips wichtigstem Standbein, Schwung verleihen.

Im Februar wird das neue Handy-Spitzenmodell der Reihe Galaxy S vorgestellt. Samsung plant auch neue Modelle mit faltbarem Bildschirm und will preisgünstigere G5-Geräte an den Markt bringen. Mit einem Umsatz von 102,3 Billionen Won im vergangenen Jahr, 6 Prozent mehr als zuvor, sind Handys und andere mobile Geräte der größte Geschäftsbereich Samsungs. Doch gemessen am Betriebsgewinn ist Samsung hier zurückgefallen und zeigt eine gewisse Stagnation. Der operative Gewinn sank 2019 um 9 Prozent auf 9,3 Billionen Won, die Gewinnmarge fiel von 10,1 auf 8,6 Prozent. Samsung steht unter scharfer Konkurrenz vor allem chinesischer Hersteller.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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