Trump über Video-App

Tiktok muss Amerika-Geschäft bis 15. September verkaufen – oder schließen

Aktualisiert am 03.08.2020
 - 20:28
Hätte nichts gegen den verkauf von Tiktok an ein amerikanisches Unternehmen: Donald Trump
Er „hätte nichts gegen“ die Übernahme durch Microsoft oder ein anderes amerikanisches Unternehmen, sagte Trump. Wichtig sei, dass das amerikanische Finanzministerium von einem Deal profitiere.

Der amerikanische Präsident Donald Trump würde einen Kauf des Amerika-Geschäfts der populären Video-App Tiktok durch eine amerikanische Firma eigenen Aussagen zufolge unterstützen. Er „hätte nichts gegen“ die Übernahme durch Microsoft oder ein anderes amerikanisches Unternehmen, sagte Trump am Montag im Weißen Haus. Wörtlich sagte er: „Es ist mir egal, ob es Microsoft oder jemand anderes kauft, ein großes Unternehmen, ein sicheres Unternehmen, ein sehr amerikanisches Unternehmen.“ Wenn es bis zum 15. September aber keine Einigung gebe, würde der Betrieb der Plattform in den Vereinigten Staaten eingestellt. Trump machte deutlich, dass er erwarte, dass das amerikanische Finanzministerium von einem Deal profitieren müsse.

Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform mit Hunderten Millionen Nutzern weltweit. Nutzer können dort eigene Clips hochladen oder Videos von anderen ansehen. Bytedance bemüht sich schon seit einiger Zeit, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Tiktok versichert, Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Daten von amerikanischen Nutzern würden sowieso in den Vereinigten Staaten gespeichert und verarbeitet. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Als Chef von Tiktok wurde jüngst der Disney-Manager Kevin Mayer geholt, der bei dem amerikanischen Konzern lange als Kronprinz galt.

Zuletzt hatte Microsoft sich nach massivem politischen Druck aus dem Weißen Haus in Stellung gebracht, das Amerika-Geschäft Tiktoks zu übernehmen. Der Software-Konzernriese will bis Mitte September einen Deal mit dem privaten chinesischen Tiktok-Eigentümer Bytedance aushandeln. Microsoft bestätigte die Gespräche am Sonntag (Ortszeit) erstmals, nachdem Trump am Wochenende mit einem Verbot der Plattform unter Verweis auf die Datensicherheit gedroht hatte. Finanzminister Steven Mnuchin hatte am Sonntag gesagt, Tiktok werde „verkauft oder geblockt“. Außenminister Mike Pompeo betonte, Trump werde „in den kommenden Tagen zur Tat schreiten“. Dies geschehe als Reaktion „auf die verschiedenen Risiken für unsere nationale Sicherheit, die von Anwendungen ausgehen, die mit Chinas Kommunistischer Partei verbunden sind“.

Microsoft erklärte am Sonntag, der geplante Kauf von Tiktok werde einer „umfassende Analyse der Sicherheit“ unterzogen. Er müsse den Vereinigten Staaten „wirtschaftliche Vorteile bringen, dem Fiskus inbegriffen“. Sollte sich Microsoft die Videoplattform einverleiben, wäre der Konzern zuständig für Tiktok in Amerika, Kanada, Australien und Neuseeland. „Microsoft wird garantieren, dass alle Daten der amerikanischen Nutzer von Tiktok in den USA bleiben werden“, erklärte der Konzern.

Tiktok hatte in den vergangenen Monaten versucht, sich aus dem Schussfeld zu bringen. Am 1. Juni trat der neue Chef Kevin Mayer sein Amt an, ein ehemaliger Manager des amerikanischen Unterhaltungskonzerns Disney. Anfang Juli kündigte Tiktok als Reaktion auf das umstrittene chinesische Sicherheitsgesetz für Hongkong an, das Geschäft in der Sonderverwaltungszone zu stoppen – die App war damit in Hongkong nicht mehr funktionsfähig.

Die Chefin von Tiktok in den USA, Vanessa Pappas, zeigte sich noch am Samstag kämpferisch und erklärte, „wir gehen nirgendwo hin“. Tiktok sei stolz auf seine 1500 Angestellten in Amerika und werde „10.000 weitere Stellen in den kommenden drei Jahren in den USA schaffen“.

Daniel Castro von der Denkfabrik Information Technology and Innovation Foundation sagte, unter einem Verbot von Tiktok würden vor allem Amerika leiden: „Millionen Amerikaner, darunter zahlreiche Anhänger Trumps, nutzen Tiktok. Die Server stehen alle außerhalb Chinas. Es gibt keinen Beweis, dass sie eine Bedrohung für die nationale Sicherheit sind.“

Tiktok ist vor allem bei jungen Menschen beliebt und hat weltweit fast eine Milliarde Nutzer. Die Videoplattform entstand 2017 durch die Zusammenlegung mit der Mitsing-App Musical.ly, die mit einer Lippensynchronisierungsfunktion für selbstgedrehte Videos erfolgreich wurde.

Microsoft würde mit Tiktok die Chance in den Schoß fallen, auf dem Markt für soziale Netzwerke mitzuspielen – derzeit dominiert von Facebook mit seiner Tochter Instagram. Microsoft gehört das berufliche Netzwerk Linkedin und der Messangerdienst Teams für die interne Kommunikation in Unternehmen. Erst Ende Juni hatte der Konzern seine Videospielplattform Mixer wieder geschlossen.

Quelle: dpa/Bloomberg/AFP
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