Aktienkurs plus 10 Prozent

Twitter-Chef Dorsey tritt zurück

29.11.2021
, 16:27
Jack Dorsey
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An der Spitze des Kurznachrichtendienstes steht ein Wechsel bevor. Ist der Grund ein Streit mit einem Hedgefonds-Manager?
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Der Chef von Twitter, Jack Dorsey, tritt von seinem Amt zurück. Das teilte er selbst über den Kurznachrichtendienst mit. Zuvor machte schon eine entsprechende Meldung des amerikanischen Wirtschaftssenders CNBC die Runde und sorgte dafür, dass der Aktienkurs des Unternehmens um bis zu 10 Prozent nach oben sprang. Später büßte er aber einen Teil der Gewinne wieder ein. Der 45 Jahre alte Dorsey führt neben Twitter auch noch den 2010 gegründeten Zahlungsdienstleister Square, dessen Aktienkurs ebenfalls erst nach oben wies, bevor er wieder abfiel.

Nach 16 Jahren in verschiedenen Positionen an der Spitze des Unternehmens sei es nun für ihn an der Zeit, sich zurückzuziehen, teilte Dorsey mit. Sein Nachfolge werde der bisherige Technik-Vorstand Parag Agrawal, darauf hätte sich das dafür zuständige Gremium schon verständigt. Neuer Chairman werde Bret Taylor. Dorsey stellt in dem an die Mitarbeiter verfassten Rücktrittsschreiben seine Entscheidung als Konsequenz gerade auch dieser beiden Personalien dar.

© Twitter

Im Zusammenhang mit seinem Rücktritt machte indes auch wieder die Runde, dass die von Paul Singer geführte Investmentfirma Elliott Management unlängst Dorseys Doppelrolle kritisiert und schon im vorigen Jahr versucht hatte, ihn aus dem Amt zu drängen. Dorsey fand seinerzeit Unterstützung beim Tesla-Gründer Elon Musk. Es kam zu einer Verständigung zwischen Dorsey und Singer, deren Details nicht publik gemacht wurden.

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2008 räumte Dorsey schon einmal den Posten

Dorsey war der erste Chef von Twitter, räumte seinen Posten aber im Jahr 2008, um dem Unternehmen als Chairman zu dienen. Die Investoren wollten sich damals offenbar von ihm trennen, weil seine Führungsrolle nicht mit voller Kraft ausübte und häufiger früh Feierabend machte. Sieben Jahre später kehrte er an die Spitze des Unternehmens zurück. Die Nasdaq setzte den Handel mit der Twitter-Aktie zeitweise aus.

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„Ich habe entschieden, dass es letztendlich Zeit ist für mich zu gehen“, schrieb Dorsey auf Twitter. Er habe darauf hingearbeitet, dass sich das Unternehmen von ihren Gründern lösen könne. Seit der Rückkehr an die Twitter-Spitze führte er beide Unternehmen gleichzeitig. Eine Doppelbelastung, die bei einigen Investoren Bedenken auslöste. Dorsey musste geschäftlichen Zielmarken zustimmen, um sie zu besänftigen. Twitter betonte nun, dass es keine Änderungen an den Geschäftsprognosen für die nächste Zeit gebe.

Unter Dorseys Führung gelang es Twitter, weitgehend profitabel zu werden. Zugleich kommt Twitter mit seinem Geschäftsmodell, bei dem Werbekunden für Geld Tweets in die Timeline der Nutzer bringen können, nicht annähernd an die Anzeigenerlöse von Facebook heran. Auch bei der Kursentwicklung hinkt Twitter den Großen der Online-Branche deutlich hinterher, was bei Anlegern gelegentlich für Murren sorgte.

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Im Wahlkampf bezog das Unternehmen eine Trump-kritische Position

Zu den Änderungen in Dorseys Zeit gehörte auch, dass die Länge eines Tweets von den ursprünglichen 140 auf 280 Zeichen ausgeweitet wurde. Im US-Wahlkampf 2020 und der Pandemie ergriff Twitter unter Dorsey eine harte Position gegen Falschinformationen über Impfstoffe und Donald Trumps Behauptungen, der Sieg im Rennen ums Weiße Haus sei ihm durch Betrug gestohlen worden. Dorsey wurde deswegen von den Republikanern in Anhörungen im US-Kongress angegriffen.

Jetzt schrieb er, Technikchef Agrawal sei schon längere Zeit sein Wunschnachfolger gewesen, weil er das Unternehmen und dessen Bedürfnisse verstehe. „Er führte mit Herz und mit Seele“, schwärmte Dorsey. Agrawal ist seit 2011 bei Twitter und wurde im Herbst 2017 Technikchef.

Agrawal übernimmt die Firmenspitze sofort. Im Verwaltungsrat will Dorsey noch bis Ablauf seines Mandats im kommenden Jahr bleiben. Neuer Chef des Verwaltungsrats, der in US-Unternehmen neben einer Kontrollfunktion auch die Strategie mitbestimmt, wird der Online-Unternehmer und frühere Facebook-Manager Bret Taylor.

Quelle: wvp./dpa-AFX
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