Amerikanischer Verbandschef

„Kein Unternehmen würde jemanden wie Trump einstellen“

Von Roland Lindner
08.01.2021
, 10:01
Gary Shapiro führt den Verband Consumer Technology Association, der die Elektronikmesse CES ausrichtet. Nach den Ausschreitungen in Washington findet er harte Worte für Donald Trump.

Herr Shapiro, nach den Ausschreitungen in Washington haben sich viele Vertreter der amerikanischen Wirtschaft sehr kritisch über Donald Trump geäußert. Schließen Sie sich an?

Es war ein trauriger Tag für unser Land. In gewisser Weise hat er vielleicht Amerikaner zusammengebracht, die jetzt realisiert haben, dass der Präsident zu weit gegangen ist. Er hat auf jeden Fall den Republikanern in dieser Woche die Wahlen in Georgia und damit die Mehrheit im Senat gekostet. Und dann hat er die Leute angestachelt, das Kapitol zu erstürmen. Er würde wahrscheinlich im Moment in Amerika in keinerlei Amt mehr gewählt werden. Viele Leute, die ihn unterstützt haben, dürften es jetzt bereuen. Ich denke, Amerikaner waren in Horror vereint. Das waren ein paar sehr üble Stunden, und es hat uns in der Welt blamiert. Wie sehen uns ja eigentlich gerne als Wiege der Demokratie. Am Ende hat die Demokratie aber überlebt, und die Gewaltenteilung hat funktioniert.

Manche Organisationen wie der Industrieverband National Association of Manufacturers sprechen sogar über eine mögliche Amtsenthebung Trumps über den 25. Zusatzartikel der Verfassung oder fordern seinen sofortigen Rücktritt …

Ich bin gut mit Jay Timmons befreundet, dem Chef des Industrieverbandes. Sein Vater ist vor ein paar Wochen am Coronavirus gestorben, und er gibt Trump dafür die Schuld, das kann man auf seiner Facebook-Seite sehen.

Würden Sie selbst so weit gehen, eine Amtsenthebung zu befürworten?

Ich habe auf jeden Fall schon daran gedacht. Aber ich meine auch, wir sollten über die nächsten zwei Wochen kommen. Wenn Trump noch etwas Anderes tut und Grenzen überschreitet, würde womöglich auch der Vizepräsident so weit gehen, eine Amtsenthebung einzuleiten. Ich denke, sogar Republikaner freuen sich jetzt auf etwas mehr rationale Stabilität im Weißen Haus. In gewisser Weise hat Trump ja mit dem, was er am Mittwoch getan hat, sogar den Kongress zusammengebracht, und das Vorhaben von einigen Republikanern gebremst, das Wahlergebnis zu kippen.

Sie haben Trump in der Vergangenheit oft kritisiert, sich aber auch mit ihm arrangiert und Vertreter seiner Regierung zur CES eingeladen, darunter auch seine Tochter Ivanka.

Ich bin tatsächlich ein Fan seiner Tochter und scheine aus irgendeinem Grund einer der wenigen Amerikaner zu sein, der die beiden nicht zwangsweise in einen Topf wirft. Aber ich habe auch Trump nicht gehasst und finde, er hat als Präsident gute Dinge getan. Zum Beispiel rund um die Pandemie, mit der Beschleunigung des Genehmigungsprozesses für Medikamente und Impfstoffe oder dem frühen Einreiseverbot aus China. Die meisten Amerikaner hassen ihn entweder oder sie lieben ihn, mein Blick auf ihn ist eher gemischt und nuanciert. Aber ich bin jetzt gelinde gesagt sehr enttäuscht von ihm, er hat in den letzten zwei Monaten seine schlimmsten Seiten offenbart. Ich habe ihn nie gewählt, und kein Unternehmen würde jemals jemanden wie ihn einstellen.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie jetzt auf den Machtwechsel im Weißen Haus?

Wir freuen uns auf die Biden-Regierung. Und auf der CES wird es auch eine Veranstaltung mit jemandem aus Bidens neuem Kabinett geben, dessen Namen ich noch nicht verraten kann. Es gab allerdings auch viele gute Leute in der Trump-Regierung.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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