Deutliche Mehrheit

So entsteht die erste Apple-Gewerkschaft in den USA

Von Roland Lindner
19.06.2022
, 15:15
Verkaufshalle von Apple in New York
Mitarbeiter eines Apple-Ladens in Baltimore stimmen für eine formelle Arbeitnehmervertretung. Gewerkschaften hoffen jetzt auf einen Dominoeffekt.
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Apple wird in seiner amerikanischen Heimat erstmals eine Gewerkschaft bekommen: Wie am Wochenende bekannt wurde, sprachen sich Beschäftigte einer Filiale des Elek­tronikkonzerns in der Nähe von Baltimore mit deutlicher Mehrheit für eine formelle Arbeitnehmervertretung aus. Es gab 65 Stimmen dafür und 33 dagegen.

Das Votum betrifft nur dieses Geschäft und somit nur einen kleinen Teil der amerikanischen Belegschaft. Apple hat in den USA insgesamt rund 270 Filialen. Aber auch an einigen anderen Standorten gibt es Bemühungen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, zum Beispiel in der Filiale im New Yorker Bahnhof Grand Central.

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Gewerkschaften hoffen, dass es bei Apple einen ähnlichen Dominoeffekt geben wird wie zuletzt bei der Kaffeekette Starbucks . Dort haben im vergangenen Dezember erstmals Mitarbeiter einer amerikanischen Filiale für die Gründung einer Gewerkschaft gestimmt. Daraus ist eine breitere Bewegung geworden, mittlerweile gab es in rund 150 der 9000 US-Standorte Abstimmungen zugunsten von Gewerkschaften.

Auch in anderen prominenten Unternehmen konnten Gewerkschaften in jüngster Zeit Erfolge feiern. Im April stimmten Mitarbeiter eines Warenlagers des Onlinehändlers Amazon.com in New York für eine Arbeitnehmervertretung. Es ist die erste des Konzerns in den USA. Dort gelang es Gewerkschaften bislang aber im Gegensatz zu Starbucks nicht, nachzulegen. In einer weiteren Abstimmung an einem anderen New Yorker Standort sprachen sich Mitarbeiter im Mai gegen eine Gewerkschaft aus. Amazon hat zudem Beschwerde gegen das Votum in dem ersten Warenlager eingelegt, auch hier ist somit das letzte Wort nicht gesprochen.

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Bei Apple wie auch bei Amazon und Starbucks sehen sich Gewerkschaften Widerstand der Unternehmen gegenüber. Mitarbeiter von Amazon und Starbucks berichteten zum Beispiel, sie seien zur Teilnahme an Veranstaltungen verpflichtet worden, bei denen über die Nachteile von Gewerkschaften gesprochen worden sei. Im Fall von Apple wurde unlängst ein Videomitschnitt publik, in dem Personal- und Einzelhandelschefin Deirdre O’Brien Mitarbeitern Gewerkschaftsgründungen auszureden versucht. Sie äußert darin ihre Sorge darüber, „wenn eine andere Organisation zwischen uns kommt“, und warnt, dies könne Apples eigene Möglichkeiten einschränken, das Arbeitsumfeld zu verbessern.

Die Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA), die Mitarbeitern eines Apple-Ladens in Atlanta bei der Gründung einer Arbeitnehmervertretung helfen wollte, hat dem Konzern Einschüchterungstaktiken vorgeworfen. Auch in Atlanta war eine Abstimmung geplant, Mitarbeiter haben aber einen entsprechenden Antrag zunächst wieder zurückgezogen, wobei es hieß, das Votum könnte zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

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Apple hat derweil inmitten der wachsenden Zahl von Gewerkschaftskampagnen eine Erhöhung des Mindestlohns in seinen Filialen von 20 auf 22 Dollar in der Stunde angekündigt. Zu dem Abstimmungsergebnis in Baltimore äußerte sich der Konzern zunächst nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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