Krypto-Trubel

Wie weit Bitcoin noch steigen kann

Von Martin Hock
Aktualisiert am 25.11.2020
 - 15:46
Bitcoin: Das neue Gold, der neue Dollar oder einfach nur wert-los?
Der Preis für Bitcoin kratzt am alten Rekordniveau. Gestützt wird er von einigen Trends und Hoffnungen. Doch wie weit kann dies tragen?

Der Preisanstieg von Bitcoin hat sich am Mittwoch zunächst einmal beruhigt. Weiter kämpft die Notierung der Krypto-Anlage mit ihrem Höchststand von 19.511 Dollar, die dafür vor fast drei Jahren bezahlt wurden.

Anfang September hatte sich die Notierung bei damals weniger als 10.000 Dollar zu beleben begonnen, seit der zweiten Oktoberhälfte befindet sie sich ausgehend von rund 12.000 Dollar in einem steilen Aufwärtstrend. Ausgelöst wurde dieser durch die Ankündigung des Bezahldienstes Paypal, ab Anfang des kommenden Jahres die Bezahlmöglichkeit mit digitalem Geld einzuführen.

Marktteilnehmer rechnen mittlerweile mit einem Mangel an der nicht beliebig vermehrbaren Anlage, die ja so beschaffen ist, dass neue Einheiten durch immer aufwendigere Rechenoperationen erzeugt werden. Schon bevor Paypal seinen Einstieg ankündigte, hatten Schätzungen kursiert, wonach die Bezahl-Software „Cash“ bis zu 40 Prozent aller neu entstandenen Bitcoin aufkaufen würde. Schon jetzt fragten Cash und Paypal mehr Bitcoin nach, als neu entstünden, schrieb unlängst der Blockchain-Investmentfonds Pantera. Wachse die Paypal-Nachfrage weiter, entfiele diese Menge allein auf Paypal. Das würde die Preise immer weiter steigen lassen und das mache die aktuelle Rally weit tragfähiger als vor drei Jahren.

Das steigende Interesse an Bitcoin und Kryptoanlagen ist kaum zu übersehen. So gab der amerikanische Anbieter börsengehandelter Indexprodukte Van Eck am Mittwoch bekannt, dass von diesem Tag an sein Produkt „Van Eck Vectors Bitcoin“ an deutschen Börsen zu handeln ist. Diese ist eine sogenannte ETN (Exchange Traded Note), also eine Anleihe, deren Wert an den Bitcoin, genauer gesagt an einen Index, dessen Kurs wiederum direkt an den Bitcoinpreis gekoppelt ist. Diese ETN ist vollständig besichert, indem mit dem investierten Geld Bitcoin gekauft werden. Über die Bank Frick werden in Liechtenstein Bitcoin im sogenannten „Cold Storage“ verwahrt, so dass sichergestellt sei, dass die hinterlegten Bitcoin jederzeit vorhanden sind. Zum Kauf der ETN benötigen Anleger kein sogenanntes Wallet mehr, in dem Bitcoin getrennt vom restlichen Depot auf der Blockchain gespeichert werden.

„Bitcoin stellt durch eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen eine sehr gute Möglichkeit dar, zur Diversifikation eines Portfolios beizutragen“, sagt Martijn Rozemuller, Europachef von Van Eck.

Das Münchener Bankhaus von der Heydt, auch bekannt für sein Engagement im Bereich der Kryptoanlagen, gab zudem bekannt, gemeinsam mit Blocksize Capital eine Handelsplattform für institutionelle Anleger wie Fonds, Vermögensverwalter und Family Offices zu entwickeln. Diese soll den hohen Ansprüchen professioneller Vermögensverwalter gerecht werden und Ende des ersten Quartals 2021 an den Start gehen. Nutzer sollen auch Werte nahtlos zwischen der traditionellen und der Krypto-Welt tauschen können.

Von der Abteilung Global Markets Strategy der amerikanischen Bank J.P. Morgan hieß es unlängst, der Preis von Bitcoin könne sich verdoppeln oder verdreifachen, was dem folgend einen Preis von 25.000 bis 40.000 Dollar implizieren würde. Grund sei aber nicht nur der Einstieg von Cash oder Paypal, sondern auch ein längerfristig wirksamer Trend, dass Bitcoin für die jüngere Generation der Millennials, eine Alternative zu Gold als Währungsersatz werde – was auch zulasten des Goldpreises gehen würde. Zuletzt hätten auch Geldmarktfondsmanager Gold ver- und Bitcoin gekauft.

Dass das Interesse vorhanden ist, zeigt auch die jüngste Meldung der Bitcoin Group. Mit dem Kryptowährungshandelsplatz Bitcoin.de habe man nun schon Anfang November das Jahresziel von mit 900.000 Kunden erreicht. Die Zahl der Erstkäufer sei dabei den Wert von 2017 zu übersteigen, hieß es vom Krypto-Broker E-Toro. Der Wert der Bitcoin-Käufe über “Cash” stieg im dritten Quartal dieses Jahres um 83 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar.

Selbst nur eine bescheidene Verschiebung könnte schon einen solch massiven Preisanstieg hervorrufen, nicht zuletzt weil die gesamte Goldmenge rund achtmal so viel wert ist wie alle Bitcoin, heißt es von JP Morgan. Kurzfristig aber scheine Bitcoin überkauft, urteilten die Analysten als der Preis noch bei 13.000 Dollar stand.

JP Morgan stand Bitcoin einst eher kritisch gegenüber. Vorstandschef Jamie Dimon hatte die Kryptoanlage im September 2017 als Betrug bezeichnet. Doch schon im Mai diesen Jahres gab es Zeichen, dass es damit nicht so weit her war, als bekannt wurde, dass sich Dimon mit der Kryptobörse Coinbase schon seit 2018 regelmäßig getroffen hatte.

Doch auch weniger substantielle Gründe sind am Werk. FOMO, die Angst etwas zu verpassen, komme langsam zum Tragen, sagte etwa Antoni Trenchev, Mitgründer des Kryptoverleihers Nexo der Nachrichtenagentur Bloomberg. Andere sind gar noch zurückhaltender. Einer großen medialen Aufmerksamkeit sei stets ein Ausverkauft gefolgt, sagte etwa Kevin Murcko, Gründer der estnischen Kryptobörse Coinmetro zu Bloomberg. Die großen Fische müssten ihr Risiko verringern und so öffneten sie die Siele um Privatanleger hereinzulassen, auf die sie ihre Positionen abwälzen könnten. Er sei zwar nicht sicher, ob das jetzt auch so sei, aber das Ganze sei etwas suspekt.

Das Grundproblem von Bitcoin und anderen Kryptoanlagen ist ihr Mangel an Substanz. Noch ist nicht wirklich klar, ob und in welchem Ausmaß diese, und wenn ja, welche der zahlreichen Kryptoanlagen sich am Ende womöglich auch als Bezahlwährung durchsetzen kann. Gern werden Kryptowährungen von sogenannten „Fiat“ (wörtlich: es geschehe)- Währungen abgegrenzt. Damit soll zum Ausdruck kommen, dass letztere einzig aus Vertrauen in ihre Funktion als Wertbewährungs- und Tauschmittel ihre Bedeutung erhalten. Das ist indes bei Krypto-„Währungen“ nicht anders, die sich diesen Anspruch immer noch erarbeiten müssen. Der Weg aus der Nische ist noch weit und auf diesem kann noch viel geschehen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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