Modehändler

Die Krise holt Zalando ein

Von Bastian Benrath
23.06.2022
, 21:44
Durchläuft keine gute Zeit: Der Modehändler Zalando
Es sind keine guten Zeiten für den Modehändler: Erst ist die Pandemie vorbei, jetzt schlagen Krieg und Inflation zu. Das Unternehmen pulverisiert seinen Jahresausblick.
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Es ist keine gute Zeit für Händler von Waren, die man nicht unbedingt braucht. Bei Inflationsraten um 8 Prozent und Energiepreisen, die sogar um gut ein Drittel steigen, überlegen sich viele Verbraucher, auf was sie verzichten können. Mode und Kosmetik gehören offenbar bei vielen dazu – und das trifft Europas größte Handelsplattform für diese Güter – das Berliner Dax-Unternehmen Zalando – mit Wucht.

Der Konzern kämpft ohnehin damit, sein Geschäft in der Nach-Corona-Zeit auszutarieren. Nach der Pandemie, während der er und seine Anleger mit Erfolg verwöhnt wurden, verzeichnete Zalando zu Jahresbeginn den ersten Umsatzrückgang in seiner Unternehmensgeschichte. Im Frühjahrsquartal von März bis Juni holt den Konzern nun die Krise von Krieg und Inflation ein.

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Ergebnis „deutlich“ unter Analystenerwartungen

So sehr, dass sich die Unternehmensführung am Donnerstagabend offenbar genötigt sah, per Ad-Hoc-Mitteilung mitzuteilen, dass das Wachstum von Umsatz, Gewinn und Wert über die Plattform vertriebener Artikel (GMV) „deutlich“ unter den aktuellen Erwartungen von Analysten liegen. Sein Aktienkurs brach daraufhin nachbörslich um gut 8 Prozent ein. „Das zweite Quartal ist profitabel, aber schwächer als erwartet“, schrieb Zalando.

Genaue Zahlen verriet das Unternehmen nicht, Zalando will seine Quartalsergebnisse weiterhin am 4. August vorlegen. So könnte man meinen: immerhin profitabel. Denn im ersten Quartal des Jahres hatte ein Fehlbetrag von 51,8 Millionen Euro im Betriebsergebnis (bereinigt und vor Zinsen und Steuern) gestanden. Doch die Stelle, an der die Mitteilung dann konkrete Zahlen nannte – beim korrigierten Jahresausblick –, dürfte die Hoffnungen der Investoren weitgehend zunichte machen.

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Wachstumsprognose fast auf Null

Zalando halbierte seine Gewinnprognose in etwa und schraubte die Erwartung ans Umsatzwachstum fast bis auf Null zurück. Statt einem Betriebsergebnis von mindestens 430 Millionen Euro in diesem Jahr werden nun nur noch zwischen 180 und 260 Millionen erwartet, statt einem Umsatzwachstum von 12 Prozent nur noch 0 bis 3 Prozent. Nach dem Umsatzrückgang im ersten Jahresviertel kann es nun also auch für das ganze Jahr so kommen, dass Zalando nicht wächst – das sind neue Zeiten für ein Unternehmen, das als Start-up startete und sich seither stets über sein Wachstum definiert hatte.

Die Krise holt Zalando ein
Auf der Kippe: Paket von Zalando Bild: dpa

Die Berliner investieren trotzdem weiter, auch wenn sie das Jahresbudget dafür von 400 bis 500 Millionen Euro leicht auf 350 bis 400 Millionen kürzen. Dennoch: Die Prognose fußt darauf, dass die Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte besser laufen und das Wachstum wieder anzieht.

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Vor allem bei der Profitabilität will Zalando besser werden. So senkte das Unternehmen schon im zurückliegenden Quartal seine Marketingausgaben, veränderte seine Investitionen in die eigene Logistik, um eine höhere Auslastung der einzelnen Versandzentren zu erreichen und führte Mindestbestellwerte in 15 Märkten ein. Damit müssen Kunden nun in fast allen der 25 Länder des Konzerns eine Mindestbestellsumme erreichen, um ihre Mode kostenfrei geliefert zu bekommen. In Deutschland liegt dieser Mindestbestellwert bei 24,90 Euro.

Dennoch ist offen, ob Zalando sein langfristig gestecktes Ziel erreicht, 2025 Waren für 30 Milliarden Euro zu verkaufen. Der gesenkten Prognose zufolge soll das GMV in diesem Jahr noch rund 15 Milliarden erreichen. Das wäre aber eben erst die Hälfte des Weges. „Während das aktuelle Umfeld zwar unsere finanzielle Entwicklung negativ beeinflusst, bleiben unsere Strategie und langfristigen Ziele unverändert“, gab Ko-Vorstandschef Robert Gentz tapfer zu Protokoll.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Benrath, Bastian
Bastian Benrath
Redakteur in der Wirtschaft.
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