Wichtiger Auftrag

So kontert Elon Musk seinen Weltraum-Rivalen Jeff Bezos aus

Von Roland Lindner, New York
17.04.2021
, 19:05
„NASA Rules!!“, twittert der Space X-Chef. Sein Unternehmen soll Astronauten zurück zum Mond bringen. Warum dahinter ein gewaltiger Vertrauensbeweis steckt.

Es ist ein weiterer großer Erfolg für Space X: Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat das von Elon Musk geführte Unternehmen als Partner gewählt, um zum ersten Mal seit dem Jahr 1972 wieder amerikanische Astronauten zum Mond zu bringen. Space X soll die Landefähre für die Mission entwickeln, der Auftrag ist mit 2,9 Milliarden Dollar dotiert.

Musk, der neben Space X auch Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla ist, gewann damit das Rennen zweier der prominentesten amerikanischen Multimilliardäre, die zu Rivalen in der Raumfahrt geworden sind: Denn neben Space X hatte sich auch Blue Origin um den Auftrag beworben, das Raumfahrtunternehmen von Jeff Bezos, der den Internet-Konzern Amazon gründete. Musk und Bezos sind derzeit lauf „Forbes“-Liste die beiden reichsten Menschen der Welt.

Zuerst zur ISS

Musk feierte seinen Erfolg auf Twitter und schrieb: „NASA Rules!!“ Mit dem Auftrag wird Space X abermals eine zentrale Rolle in einem Prestigeprojekt in der amerikanischen Raumfahrt spielen. Das Unternehmen hat den Vereinigten Staaten erst im vergangenen Jahr bei der Rückkehr in die bemannte Raumfahrt geholfen, als es mit seiner „Falcon 9“-Rakete und seiner „Dragon“-Raumkapsel Astronauten zur Raumstation ISS beförderte. Es hat mittlerweile zwei solcher Flüge absolviert, der dritte ist für den kommenden Donnerstag angesetzt. Zuvor konnte Amerika seit dem Jahr 2011, als das Spaceshuttle-Programm zu Ende ging, keine Astronauten mehr ins All bringen.

Dass Amerikaner zuletzt auf dem Mond waren, ist noch viel länger her. Dies geschah im Rahmen der berühmten Apollo-Missionen, erstmals im Juli 1969 und zum letzten Mal im Dezember 1972. Insgesamt zwölf amerikanische Astronauten haben im Rahmen dieser Missionen den Erdtrabanten betreten.

Das neue Mondprojekt, bei dem Space X nun dabei sein wird, hat den Namen „Artemis“ – benannt nach der Mondgöttin und Zwillingsschwester von Apollo in der griechischen Mythologie. Unter dem früheren Präsidenten Donald Trump strebten die Vereinigten Staaten an, es im Rahmen dieses Programms bis zum Jahr 2024 wieder zum Mond zu schaffen. Trumps Nachfolger Joe Biden will offenbar im Kern an dem Programm festhalten, allerdings erwägt die Regierung wohl Änderungen im Zeitplan, die Rückkehr auf den Mond könnte sich somit nach hinten verschieben. Bei der Bekanntgabe des Auftrags für Space X am Freitag wurde kein Zieldatum genannt.

Der Zuschlag für Space X kommt rund ein Jahr, nachdem die Nasa eine Vorauswahl in dem Rennen getroffen hatte. Sie vergab damals Aufträge im Gesamtwert von knapp einer Milliarde Dollar an Space X, Blue Origin und das in der Öffentlichkeit weniger bekannte Unternehmen Dynetics, an Konzepten für Landefähren zu arbeiten. Blue Origin bekam damals die größte Summe zugesprochen, Space X die kleinste.

Eigentlich war damit gerechnet worden, dass die Nasa von diesen drei Finalisten zwei Unternehmen auswählt, ähnlich wie sie es auch für das Programm zur Rückkehr in die bemannte Raumfahrt getan hat. Hier haben Space X und Boeing separat voneinander Aufträge bekommen, auf der Seite von Boeing gab es aber einige Rückschläge, und es ist noch unklar, wann das Unternehmen soweit sein wird, Astronauten zur ISS zu bringen.

Dass die Nasa nun nur einen Partner auswählt, hat nach einem Bericht der „Washington Post“ mit Kostengründen zu tun, Space X habe offenbar das niedrigste Angebot abgegeben. Es ist aber auch ein gewaltiger Vertrauensbeweis und unterstreicht, dass sich Space X als Partner der Nasa etabliert hat.

„Es ist Zeit, auf den Mond zurückzukehren“

Für Jeff Bezos und Blue Origin ist der Ausgang des Rennens dagegen eine herbe Enttäuschung. Die Apollo-Missionen zum Mond haben Bezos schon immer fasziniert. Er hat es als „wegweisenden Moment“ in seinem Leben beschrieben, als er im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern und Großeltern auf dem Fernseher verfolgte, wie Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat. Seine Leidenschaft ging so weit, dass er vor einiger Zeit Teile der Saturn-V-Rakete, mit der Armstrong und die anderen Apollo-11-Astronauten ihre Reise begannen, aus dem Atlantik bergen ließ.

Vor rund zwei Jahren hatte Bezos ein Modell einer Mondlandefähre enthüllt, von der er sagte, sie könne der amerikanischen Regierung bei ihrem Mondprojekt helfen. „Es ist Zeit, auf den Mond zurückzukehren, und dieses Mal, um zu bleiben“, sagte er damals. Um den Artemis-Auftrag hatte sich Blue Origin als Anführer eines „nationalen Teams“ mit anderen amerikanischen Unternehmen wie Lockheed Martin und Northrop Grumman beworben.

Space X will bei der Mission zum Mond eine Variante seiner „Starship“-Rakete verwenden, die gerade entwickelt wird. Das Unternehmen hat in Texas schon einige Tests mit Prototypen der Rakete durchgeführt, offenbar aber noch viel Arbeit vor sich. Bei den Tests hoben die Prototypen zwar mit Erfolg ab und machten Flugmanöver, legten dann aber Bruchlandungen hin.

Bei der Artemis-Mission soll das Gefährt von Space X erst in der Endphase zum Einsatz zu kommen. Zunächst sollen vier Astronauten mit dem Raketensystem Space Launch System und dem Raumfahrzeug Orion in die Mondumlaufbahn gebracht werden, die Landefähre von Space X soll separat davon ins All geschickt werden.

Nach Erreichen der Mondumlaufbahn sollen dann zwei der vier Astronauten in die Landefähre umsteigen und zum Mond gebracht werden, wo sie eine Woche bleiben sollen. Unter den zwei Astronauten, die den Mond betreten, soll nach den Plänen der Nasa auch eine Frau sein – sie wäre übrigens dann die erste Frau auf dem Mond.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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