Erfolg für Guaidó

Kein Gold für Maduro

Von Philip Plickert, London
02.07.2020
, 17:39
Kein Nachschub für Maduro: Die britische Notenbank wird ihm kein venezolanisches Gold auszuhändigen.
Die Gegner von Venezuelas Machthaber jubeln: Die britische Notenbank muss kein venezolanisches Gold an Maduro aushändigen. Das hat der britische High Court entschieden. Die Wirtschaftskrise in Venezuela wird immer verheerender.

Das Regime von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro hat vor dem britischen High Court in London eine Schlappe erlitten und scheitert mit dem Wunsch nach Gold für ein Milliarde Dollar. Die mit Maduro-Getreuen besetzte Zentralbank in Caracas hatte die britische Notenbank aufgefordert, dort lagerndes venezolanisches Gold auszuhändigen.

Die Richter des Hight Court urteilten am Donnerstag jedoch, dass nicht Maduro, sondern der Oppositionsführer Juan Guaidó von Britannien als der rechtmäßige Präsident des lateinamerikanischen Krisenlandes anerkannt werde. Guaidós Botschafterin in London, Vanessa Neumann, sprach von einem „enormen Sieg“. Das Urteil sei ein „Sieg für das venezolanische Volk“.

Die Bank von England hält in ihren Tresoren Gold der Notenbank von Venezuela im Wert von etwa 1,8 Milliarden Dollar. Insgesamt lagern in ihren Tresoren rund 400.000 Barren Gold im Wert von 200 Milliarden Dollar – damit ist sie nach der New Yorker Federal Reserve die zweitgrößte Gold-Verwahrstelle weltweit.

Internationaler Währungsfonds lehnt Kredit ab

Guaidó hatte die Briten gewarnt, Maduro das Gold auszuhändigen, denn damit würde „Folter finanziert“. Maduro sei ein Diktator. Das Londoner Außenministerium bestätigte kurz vor Prozessbeginn seine Position, dass die Präsidentschaftswahl in Venezuela 2018 „nicht frei, fair und glaubwürdig war“. Tatsächlich hat Maduro Schritt für Schritt die Opposition ausgeschaltet.

Das von seiner sozialistischen Partei seit zwei Jahrzehnten regierte ölreiche Land ist in den vergangenen fünf Jahren immer tiefer in eine katastrophale Wirtschaftskrise geschlittert, die zu einer Versorgungs- und Hungerskrise und zur Emigration von rund 5 Millionen verzweifelten Bürgern geführt hat.

Erschwerend kommt nun die Corona-Krise hinzu. Die Maduro-hörige Zentralbank in Caracas sagt, man wolle das Gold verkaufen, um Notmaßnahmen gegen die Epidemie zu finanzieren, um Medizin und Nahrungsmittel einzukaufen. Guaidó hält das für vorgeschoben. „Sie versuchen, das Gold zu stehlen“, sagte er.

Der vom BCV beauftragte Anwalt argumentierte, dass die Londoner Regierung faktisch doch Maduro anerkenne, etwa indem sie seinen Botschafter empfange. Die Richter des High Courts mussten nun entscheiden, wer rechtmäßig über das venezolanische Gold verfügen darf. Vor Kurzem hat der Internationale Währungsfonds eine Anfrage von Maduros Regierung für einen 5-Milliarde-Dollar-Notkredit zurückgewiesen. Unterstützt wird Maduros Regime weiterhin von Russland, China und von Iran, der jüngst fünf Tanker mit Benzin schickte.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Plickert, Philip
Philip Plickert
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
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