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F.A.S. exklusiv

Bafin-Chef griff erst kurz vor Wirecard-Kollaps zum Telefon

Von Marcus Theurer
Aktualisiert am 11.07.2020
 - 15:00
Die Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München.
Der Bafin-Führung wird seit Wochen vorgeworfen, im Bilanzskandal um Wirecard zu zögerlich agiert zu haben. Tatsächlich waren die Kontakte zur Führung des Dax-Unternehmens sehr spärlich.

Die Führungsspitze der obersten deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat den Fall Wirecard erst kurz vor dem Zusammenbruch des Skandalunternehmens zur Chefsache gemacht und sich in die Krisengespräche mit dem Management des Dax-Konzerns eingeschaltet. Bafin-Präsident Felix Hufeld telefonierte selbst erstmals Mitte Juni und damit wenige Tage vor dem Insolvenzantrag des Zahlungsdienstleisters mit Spitzenmanagern von Wirecard. Hufeld sprach dabei mit dem neu installierten Vorstandschef James Freis, sowie mit Wirecard-Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann.

Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf Anfragen der Bundestagsfraktionen von Grünen und Linken hervor, die der F.A.S. vorliegt. Bafin-Vizepräsidentin Elisabeth Roegele und der für die Bankenaufsicht verantwortliche Bafin-Direktor Raimund Röseler haben demnach bis zuletzt keine direkten Gespräche mit Vorständen und Aufsichtsräten von Wirecard geführt, obwohl sich die Lage bei dem Dax-Konzern über viele Monate hinweg immer stärker zugespitzt hat.

Kein Kommentar der Bafin

Der Bafin-Führung wird seit Wochen vorgeworfen, im Bilanzskandal um Wirecard zu zögerlich agiert zu haben. Jetzt steigt der politische Druck auf die Finanzaufseher weiter: „Herr Hufeld hätte angesichts vieler Hinweise deutlich früher den Fall Wirecard zur Chefsache machen müssen“, kritisiert der grüne Finanzpolitiker Danyal Bayaz. Die zuständige Vizepräsidentin Roegele sei im Fall Wirecard gar „völlig abgetaucht.“

Während sich das Bafin-Direktorium selbst erst kürzlich einschaltete, gab es allerdings schon im Herbst 2019 ein Gespräch zwischen Finanzstaatssekretär und Bafin-Verwaltungsratschef Jörg Kukies und dem damaligen Wirecard-Chef Markus Braun – und zwar am 5. November, dem 50. Geburtstag Brauns.

Ob dabei die schon damals weithin bekannten Vorwürfe gegen Wirecard zur Sprache kamen, teilt das Finanzministerium in seiner Antwort unter Berufung auf „Geheimschutzinteressen“ nicht mit. Auch dies stößt bei Parlamentariern auf heftige Kritik: „Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, zu erfahren, was Herr Kukies mit dem CEO Markus Braun an dessen Geburtstag so Geheimes zu besprechen hatte“, sagt der Finanzexperte Fabio De Masi von der Linken. Die Bafin wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

Quelle: F.A.S.
Marcus Theurer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marcus Theurer
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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