FAZ plus ArtikelZäsur für Verkehrswende

Zufluchtsort Auto

EIN KOMMENTAR Von Kerstin Schwenn
27.07.2020
, 08:37
Die Angst vor dem Virus hat die propagierte Vision von der autofreien Stadt entzaubert. Selbst umweltbewusste Großstädter schaffen sich jetzt eigene Autos an. Die Politik muss umplanen.

Die alten Freunde haben sich ein neues Auto gekauft. Eigentlich wäre das keiner Erwähnung wert, gäbe es nicht die Begründung: Corona. Jahrelang kamen die beiden in der Großstadt ohne eigenes Auto aus. Umweltbewusst gingen sie zu Fuß, fuhren Rad, Bahn oder Bus. Nur selten nutzten sie Carsharing oder buchten ein Mietauto. Seit Corona aber meiden sie öffentliche Verkehrsmittel, so gut es geht – auch weil einer zur Risikogruppe zählt. Weil sie in Herbst und Winter mobil sein wollen, soll spätestens dann der neue Wagen vor der Tür stehen.

Corona bedeutet eine Zäsur für die nicht nur von Umweltschützern propagierte „Verkehrswende“. Wer ein Auto hat, fährt in diesem Sommer öfter damit als vor dem Ausbruch der Pandemie. Nach der Leere auf den städtischen Straßen während des Lockdowns ist inzwischen der Stau zurück, manchmal länger denn je. Nur die Schulferien mildern den Eindruck gerade etwas ab. Mehr Autoverkehr, das läuft allen Bemühungen um weniger Stau und sauberere Luft zuwider. Auf den Straßen herrscht jedoch auch deshalb mehr Gedränge, weil viel mehr Menschen Fahrrad fahren. In den Geschäften sind kaum noch Räder im Angebot. Corona bringt die (Rück-)Besinnung auf den Individualverkehr.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schwenn, Kerstin
Kerstin Schwenn
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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