Äußerung von Friedrich Merz

„Wir müssen zurück an die Arbeit“

Aktualisiert am 21.09.2020
 - 13:33
Positioniert sich im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz: Friedrich Merz.
Deutlich mehr Beschäftigte müssen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, erklärt der CDU-Politiker. Das gelte insbesondere für Lehrkräfte. Scharfe Kritik an seinen Äußerungen kommt von der SPD und der Linken.

Friedrich Merz ist besorgt darüber, dass sich wegen der Corona-Krise zu viele Deutsche an ein „Leben ohne Arbeit“ gewöhnen könnten. „Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können“, sagte der CDU-Politiker, der auf dem Parteitag im Dezember für den Vorsitz seiner Partei kandidieren will, am Sonntagabend der Internetsendung „Bild live“. „Wir müssen zurück an die Arbeit.“

Besonders kritisch bewertete Merz die Situation an den Schulen: „Es bleiben einfach zu viele Lehrer zu Hause.“ Er befürworte den Kurs der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien (CDU), die sich sehr rigoros dafür einsetze, dass die Lehrer, die nicht ernsthaft erkrankt sind, in die Schule kommen müssten. „Wir brauchen das System Schule – das muss funktionieren, auch in Corona-Zeiten“, sagte Merz.

Der frühere Unionsfraktionschef kritisierte zudem die von der CDU-geführten Bundesregierung beschlossene Verlängerung des Kurzarbeitergelds. Er befürchte, dass die Regelung Mitarbeiter auf Arbeitsplätzen halte, wo sie eigentlich nicht mehr gebraucht würden.

Blick auf Normalverdiener verloren

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) reagierte mit scharfer Kritik auf Merz’ Äußerungen: „Dieser Mann hat entweder ökonomisch keine Ahnung oder ist sozial zynisch – oder beides“, schrieb Heil auf Twitter. „Mit Kurzarbeit sichern wir Millionen von Arbeitsplätzen in der Corona-Krise und stabilisieren die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.“

Unterstützung erhielt Heil von der Linken. Merz fürchte, dass die Arbeitsmoral einbreche, schrieb der Parteivorsitzende Bernd Riexinger in einem Tweet. Ganz Unrecht habe er ja nicht. Die riesigen Einkommen in den Spitzenetagen würden „in keinem Verhältnis mehr zu realer Leistung“ stehen, meinte Riexinger. „Für die wahre Leistung der Normalverdiener hat Friedrich Merz aber schon lange den Blick verloren!“

Merz, Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und der Außenpolitiker Norbert Röttgen haben ihre Kandidatur um die Nachfolge von CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärt. Die Entscheidung soll auf dem CDU-Bundesparteitag am 4. Dezember in Stuttgart fallen. 2018 hatte Merz schon einmal für den CDU-Vorsitz kandidiert und knapp gegen Kramp-Karrenbauer verloren.

Quelle: mj./AFP/dpa
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