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Gute-Kita-Gesetz

Für Geld allein ändern Mütter ihre Arbeitszeit kaum

Von Julia Löhr, Berlin
 - 18:18
Jacken und Taschen hängen im Eingangsbereich eines Kindergartens in Wandlitz.

Das Gute-Kita-Gesetz gehört zu den Vorzeigeprojekten von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). 5,5 Milliarden Euro stellt die Bundesregierung bis zum Jahr 2022 bereit, damit soll sowohl die Qualität der Kitas als auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden.

Doch eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu dem Schluss: Das ist nicht der Fall. Denn einerseits würden die meisten Bundesländer die Mittel nicht in die Betreuungsqualität investieren, sondern die Kita-Gebühren weiter senken. Dies hat jedoch kaum einen Effekt auf die Erwerbstätigkeit der Mütter. Wer vorher nicht gearbeitet hat, tut das auch weiter nicht. Und die Mütter, die arbeiten, erhöhen ihre Arbeitszeit lediglich um durchschnittlich 0,8 Stunden in der Woche, so das Fazit der Forscher.

Für die Studie analysierte das Wirtschaftsforschungsinstitut Daten des Mikrozensus’ und frühere Gebührensenkungen aus den Jahren 2006 und 2011, wie es sie etwa in Rheinland-Pfalz, Berlin, Niedersachsen und Hessen gab. Die Annahme, dass Eltern ihr Kind bei niedrigeren oder ganz wegfallenden Kita-Gebühren eher in die Betreuung geben und wieder mehr arbeiten, erwies sich demnach als Trugschluss.

Betreuungskosten besser steuerlich absetzbar machen

Zwar zeigte sich in der Untersuchung, dass Eltern ihre Kinder tatsächlich häufiger ganztags betreuen lassen, wenn das letzte Kita-Jahr gebührenfrei ist. Doch die Erwerbsquote der Mütter verändert sich dadurch so gut wie nicht, sie verharrt unter 70 Prozent. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Mütter stieg nur geringfügig an, von etwas mehr als 21 auf 22 Stunden in der Woche.

„Auch die Gebührenbefreiungen im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes dürften nur sehr kleine Effekte auf das Erwerbsleben der Mütter haben“, sagt Studienautor Mathias Huebener. Das Fazit der Studie: Wenn es das Ziel sei, dass Mütter mehr arbeiteten, seien Gebührenbefreiungen „auch aufgrund hoher Mitnahmeeffekte ineffizient“. Die zusätzlichen Steuereinnahmen aufgrund der leicht gesteigerten Arbeitszeit seien weitaus geringer als die Kosten.

Die Autoren empfehlen stattdessen, dass Kinderbetreuungskosten besser steuerlich absetzbar sein sollten. Ob niedrigere Kita-Gebühren dazu führen, dass mehr Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss ihr Kind betreuen lassen und ihm so bessere Startchancen ermöglichen, untersuchte diese Studie nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Löhr, Julia
Julia Löhr
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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