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Für Klimabilanz

Keine Burger mehr an britischer Universität

Von Philip Plickert, London
 - 16:51
Für Burger mit Rindfleisch müssen die Studenten künftig die Uni verlassen.

No beef please, we are British students: So heißt es bald am Goldsmiths College, einer Hochschule für Kunst und Sozialwissenschaften, die Teil der University of London ist. Sämtliche Rindfleisch-Produkte werden ab nächstem Monat vom Speiseplan genommen. Egal ob Hamburger, Lasagne oder Chili con Carne – es darf kein Rindfleisch mehr serviert werden. Auch keine Rindswurst mehr in der Mensa, am Kiosk oder in Cafés auf dem Campus.

Universitätsleiterin Prof. Frances Corner begründet das Verbot mit Anstrengungen der Hochschule, bis zum Jahr 2025 „kohlendioxidfrei“ zu werden. Bei der Aufzucht von Rindern wird deutlich mehr CO2 und Methan ausgestoßen als etwa in der Hühnerzucht oder für vegetarische Produkte. Corner, die zuvor das Londoner Mode-College leitete und als „Mode-Aktivistin“ gegen echte und falsche Pelze kämpfte, will die CO2-Bilanz des Goldsmiths College mit seinen etwa 10.000 Studenten radikal ändern. Dazu gehört auch, dass die Hochschule große Solarpanels aufbaut, um möglichst bald 100 Prozent Ökostrom zu produzieren und zu verbrauchen.

„Klimanotstand“ ausgerufen

Joe Leam von der Studentenvereinigung unterstützte die Pläne; das College habe einen „riesigen CO2-Abdruck“, sagte er. Auch Greenpeace UK äußerte sich erfreut. Corner hat noch weitere Maßnahmen beschlossen: Goldsmiths-Studenten müssen künftig einen weiteren Öko-Obulus zahlen: 10 Pence je Plastikwasserflasche oder Plastikbecher. Und sie werden aufgefordert, mehr zu recyclen und noch verzehrbares Essen, gut erhaltene Kleidung, Bettwäsche und alte Fahrräder zu spenden.

Den Klimawandel zu bekämpfen, sieht Corner als ihre große Aufgabe. Wie einige andere Unis hat Goldsmith College einen „Klimanotstand“ ausgerufen. „Obwohl ich erst vor kurzem angekommen bin, ist es unmittelbar klar, dass unsere Mitarbeiter und Studenten sich leidenschaftlich für unsere Umwelt einsetzen und dass sie entschlossen sind, den Wandel zu vollziehen, den wir brauchen“, teilte die neue Rektorin mit.

„Fleischfreie Montage“ an vielen Unis

Allerdings gab es auch Kritik an den Plänen. Den Rindfleisch-Bann nannten einige „zu simplistisch“. Die Vereinigung der britischen Farmer beklagte, dass kein Unterschied gemacht werde zwischen britischem Beef und ausländischem Beef. Es sei zwar richtig, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, doch dürfe man den Blick nicht auf ein einziges Produkt verengen.

Auch andere Universitäten haben den Rindfleischkonsum schon drastisch eingeschränkt. Der Catering-Service der Universität Cambridge wurde 2016 angewiesen, kein Rind- oder Lammfleisch mehr zu liefern. Allerdings servieren Mensen einiger Colleges von Cambridge das Fleisch weiterhin.

Die Ulster Universität, die Universität von East Anglia und einige Oxford- und Cambridge-Colleges haben „fleischfreie Montage“ eingeführt. Die Sorgen um die Sensibilitäten von Studierenden gehen aber noch weiter: Kürzlich forderte der Präsident des Somerville College in Oxford, dass kein (teurer) Oktopus mehr auf dem Menü stehen dürfte, weil sich sonst (ärmere) Studenten „unwohl“ fühlten. Vor zwei Jahren haben zwei Londoner Universitäten beschlossen, dass auf ihrem Campus keine Boulevard-Zeitungen mehr verkauft werden dürfen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Plickert, Philip
Philip Plickert
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
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