G7-Treffen

Führende Industrienationen sehen im Ölpreis ein Wachstumsrisiko

03.10.2004
, 15:25
G7-Vertreter beim Gruppenbild ohne Dame:
Die Gruppe der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) hat die Ölerzeugerländer aufgefordert, alles zu tun, um die hohen Ölpreise zu dämpfen. Keine Einigung hat das Gremium beim Thema Schuldenerlaß für den Irak erzielt.
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Die sieben führenden Industrieländer (G7) sehen in den derzeit hohen Ölpreisen ein Risiko für das noch kräftige Weltwirtschaftswachstum und haben die Ölproduzenten zur Steigerung der Fördermengen aufgefordert.

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Ein Schuldenerlaß für den Irak scheiterte an den zu unterschiedlichen Positionen der Europäer und der Amerikaner, die Finanzminister und Notenbankchefs wollen aber immerhin eine Lösung bis Jahresende. Vertreter Chinas waren am Freitag in Washington erstmals zum Abendessen im Kreise der G7, ließen jedoch nicht durchblicken, wann sie die feste Bindung des Yuan an den Dollar lockern werden.

Aufforderung an die Ölproduzenten für ein angemessenes Angebot zu sorgen

„Die Ölpreise sind weiter hoch. Deshalb fordern wir zunächst, daß die Ölproduzenten für ein angemessenes Angebot sorgen, damit die Preise moderater werden", heißt es in am Abend in Washington veröffentlichten Abschlußerklärung der G7. Die Öl-Verbraucherländer sollten ihren Energiekonsum effizienter gestalten und zudem müsse es mehr Transparenz auf dem Ölmarkt geben, forderten die G7-Vertreter und griffen damit einen deutsch-britischen Vorschlag auf. „Die Verbraucherländer müssen sich um Energieeinsparung und mehr -effizienz bemühen, das gilt für China und Indien aber auch für Amerika", sagte Finanzminister Eichel (SPD).

Ein effizienter Ölmarkt sei wichtig, hieß es in dem Papier. Die G7 ermutigten deshalb die Internationale Energiebehörde (IEA), für mehr Transparenz zu sorgen. „Wir machen Druck, daß die IAE herausfindet, wer produziert, wer verbraucht, und was dazwischen ist an Spekulation", sagte Eichel. Auf kurze Sicht werde der Ölpreis volatil und vergleichsweise hoch bleiben. Sein saudi-arabischer Amtskollege habe ihm versichert, er werde alles für eine ausreichende Fördermenge tun.

Die Ölpreise waren im Laufe der Woche vorübergehend auf neue Rekordstände geklettert. Am Freitagabend kostete ein Barrel (knapp 159 Liter) der führenden Nordsee-Sorte Brent 46,62 Dollar. Ein Barrel US-Öl lag mit 50,15 Dollar nur knapp unter dem Rekordhoch von 50,47 Dollar.
Die G7-Staaten sind Amerika, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan.

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Wachstum weiter stark mit günstigen Perspektiven

Insgesamt sei das derzeitige Wirtschaftswachstum stark, und die Perspektiven blieben auch weiter günstig, heißt es in der Erklärung weiter. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in diesem Jahr mit fünf Prozent das kräftigste Wachstum der Weltwirtschaft seit fast 30 Jahren und prognostiziert für 2005 eine Normalisierung auf hohem Niveau von 4,3 Prozent. IWF-Chef Rodrigo Rato habe sich positiver geäußert als erwartet, sagte Eichel nach dem Treffen. Es gebe allerdings nach wie vor Wachstumrisiken, wozu neben dem noch verhaltenen Aufschwung in der Euro-Zone auch das Doppel-Defizit der USA bei Haushalt und Leistungsbilanz zähle, erläuterte der Finazminister.

Über einen Schuldenerlaß für den Irak gab es in Washington keine Einigung. Das Schuldenproblem Iraks solle bis Jahresende gelöst werden, erklärten die G7-Vertreter lediglich. Während etwa Deutschland, Frankreich und auch Rußland nur für einen Schuldenerlaß von gut 50 Prozent sind, fordern die Amerikaner mindestens 90 Prozent. Der Golfstaat Irak hat Auslandsschulden in Höhe von geschätzten 120 Milliarden Dollar. „Es soll einen substanziellen Schuldenerlaß geben. Was das bedeutet ist noch nicht klar", sagte Eichel.

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Der IWF hatte am Donnerstag dem Irak erstmals finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt und einen Notkredit über 436 Millionen Dollar angeboten. Die G7 lobten das Kreditprogramm als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Lösung bis Jahresende.

Weiter dosierter Druck auf China wegen Wechselkurs

Wie erwartet bekräftigten die G7, Wechselkurse sollten die Fundamentaldaten reflektieren, und sprachen sich allgemein für flexiblere Kurse aus, ohne direkt auf die Anbindung der chinesischen Währung an den Dollar einzugehen. China hatte im Vorfeld zu erkennen gegeben, es werde sich nicht zu einer überhasteten Freigabe seiner Währung drängen lassen. Im Anschluß an das Treffen waren Vertreter Chinas zu einem Abendessen mit den G7 geladen. Dabei habe China zumindest verbal die Bereitschaft zu flexibleren Kursen gezeigt, sagte Eichel. „Zeitpunkt und Umfang blieben aber völlig offen", sagte der Minister.

Chinas Notenbank-Chef Zhou Xiaochuan hatte bereits am Nachmittag die Hoffnungen auf einen raschen Durchbruch gedämpft: „Chinas Wechselkurs-Regime könnte sich unter bestimmten Voraussetzungen ändern, aber wir benötigen noch mehr Vorbereitungen", sagte er. Vor allem amerikanische Politiker haben immer wieder kritisiert, der Yuan sei unterbewertet und verschaffe China auf unfaire Weise Vorteile im internationalen Handel.

Zu einem möglichen Beitritt Chians zur G7 sagte der chinesische Finanzminister Jin Renqing, es gebe derzeit keine unmittelbaren Pläne, der Gruppe der sieben führenden Industrieländer (G7), beizutreten. „Wir sind hier, um das gegenseitige Verständnis, unsere Fähigkeit zur Beteiligung an den Fragen der Weltwirtschaft und unsere Interessen zu fördern", sagte Jin. Zugleich unterstrich er jedoch das Interesse Chinas an einer Fortsetzung des Dialogs in diesem Gremium.

Quelle: Reuters
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