Geldpolitik

EZB warnt schärfer vor wachsender Inflationsgefahr

13.10.2005
, 12:55
Der Euro-Tower in Frankfurt
Mit veränderter Wortwahl wachsende Besorgnis ausgedrückt: Gegenüber steigenden Inflationsrisiken hegt die Europäische Zentralbank zunächst „besondere“, dann „ständige“, nun „große“ Wachsamkeit.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angesichts der hohen Ölpreise in ihrem Monatsbericht ihre verstärkten Warnungen vor Inflationsgefahren erneuert. Der Leitzins von zwei Prozent sei immer noch angemessen, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht.

„Gleichzeitig ist im Hinblick auf die Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität große Wachsamkeit geboten“, bekräftigte die EZB. Ihr Präsident Jean-Claude Trichet unterstrich in St. Petersburg, Hauptgefahr für die Preisstabilität seien Zweitrundeneffekte - also ein Übergreifen des hohen Ölpreises auf das gesamte Verbraucherpreisniveau über höhere Löhne und Erzeugerpreise. Im Bericht hieß es, dafür gebe es bisher keine klaren Anzeichen. Trichet hatte vergangene Woche signalisiert, daß die EZB trotz gestiegener Inflationsrisiken mit einer Zinserhöhung
abwartet.

Privatbanken rechnen mit stabilem Zins

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EZB-Ratsmitglied Nicholas Garganas verdeutlichte in einem Interview mit der F.A.Z., daß der Zeitpunkt für eine Zinserhöhung noch ungewiß ist. „Die Tatsache, daß die Preisrisiken hoch sind, rechtfertigt jetzt kein Handeln“, sagte er. Die EZB werde aber handeln, wenn notwendig (siehe: EZB: Garganas warnt vor „Liquidität im Überfluß“). Analysten vermuten, daß die EZB mit schärferer Rhetorik einen Anstieg der Inflationserwartungen verhindern will, wegen der labilen Konjunkturerholung den Leitzins vorerst aber weiter auf dem niedrigen Niveau von zwei Prozent hält. Sie änderten deshalb ihre Zinsprognosen nach der EZB-Ratssitzung nicht und gingen mehrheitlich von einem Zinschritt frühestens im zweiten Quartal 2006 aus. Am Geldmarkt verschob sich der vermutete Termin etwas nach vorne, nämlich auf das erste Quartal 2006.

Die deutschen Privatbanken gehen bis weit ins nächste Jahr hinein von unveränderten Leitzinsen aus. Die Perspektiven für die Inflation seien moderat, Zweitrundeneffekte unwahrscheinlich, schrieb der Bundesverband deutscher Banken.

Verbal aufgerüstet

Die EZB signalisierte mit veränderter Wortwahl wachsende Besorgnis: Im September erst hatte sie in ihrer zentralen Aussage von „besonderer“, und nicht länger nur von „ständiger“ Wachsamkeit hinsichtlich der Inflationsrisiken gesprochen. Nun rüstete sie zu „großer“ Wachsamkeit auf. Unbehagen äußerten die Währungshüter über den vom hohen Ölpreis verursachten Anstieg der Jahresteuerungsrate im September auf 2,5 Prozent von 2,2 Prozent im August (Teures Öl treibt Inflation auf Vier-Jahres-Hoch). „Es ist entscheidend, daß der gegenwärtige Anstieg der Inflationsrate nicht zu einem höheren Inflationsdruck im Euro-Währungsgebiet führt“, hieß es im Bericht.

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Inzwischen sank der Ölpreis vom Rekordhoch über 70 Dollar im September allerdings wieder auf 60 Dollar je Barrel. „Entscheidend ist, wie der Ölpreis die Preisstabilität auf mittlere Sicht beeinflussen wird“, sagte der griechische Notenbankchef Garganas im Interview mit der F.A.Z.; bisher gebe es keinen Grund, die jüngste Inflationsprognose der EZB-Volkswirte für 2006 in der Spanne von 1,4 bis 2,4 Prozent nach oben zu revidieren. „Damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß die Inflationsrate 2006 unter zwei Prozent liegen wird“, sagte Garganas. So lange sich daran nichts ändere, bestehe kein Grund zum Handeln. „Aber wenn wir sehen, daß der Rückgang der Inflationsrate sich ins Jahr 2007 verschiebt, ändert sich das Bild.“

Auch die reichliche Geldversorgung ist für die EZB ein Grund für „große“ Wachsamkeit. Garganas bestätigte, daß die Zentralbank über das beschleunigte Geldmengenwachstum besorgter sei als zuvor. „Die Liquiditätslage muß sehr, sehr genau beobachtet werden. Wir müssen sicherstellen, daß daraus kein Inflationsdruck erwächst.“

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Auf der anderen Seite gebe es aber noch immer keine deutlichen Anzeichen dafür, daß sich Inflationsdruck in der Binnenwirtschaft tatsächlich aufbaue, hieß es im Bericht. Die EZB stütze mit niedrigen Zinsen die Konjunktur. Dies könne nur beibehalten werden, wenn die Inflationserwartungen bei preisstabilen Raten von knapp zwei Prozent verankert blieben. Die EZB wies erneut auch auf die unsicheren Konjunkturaussichten hin. Die jüngsten Daten untermauerten zwar, daß sich das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2005 allmählich belebe, hieß es im EZB-Bericht. Doch diese Aussichten seien mit Risiken behaftet, vor allem wegen des hohen Ölpreises und des geringen Verbrauchervertrauens.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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