Landwirtschaftsmesse

Die Internationale Grüne Woche in Berlin – ein Rückblick in Bildern

Von Svea Junge, Dirk Zimmer
21.01.2021
, 17:46
Erstmals findet die Internationale Grüne Woche in Berlin nur digital statt. Im Bildarchiv der Tageszeitung haben wir die schönsten Bilder der vergangenen Jahrzehnte herausgesucht und zeigen sie aus diesem Anlass.

In diesem Jahr hätte die Internationale Grüne Woche (IGW), die größte Landwirtschafts- und Ernährungsausstellung der Welt, eigentlich zum 86. Mal ihre Pforten geöffnet. Doch statt der mehr als 400.000 Besucher wie noch im Jahr 2020, beherbergen die Berliner Messehallen jetzt ein Corona-Impfzentrum. Komplett fällt die Messe aber nicht aus. Verkürzt auf zwei Tage findet das Programm unter dem Motto „Rooting for Tomorrow“ mit Kochshows und Talkrunden kostenlos im Internet statt. Auf die Käsehäppchen muss der Besucher allerdings verzichten, sie lassen sich freilich nicht digitalisieren.

Die Messe blickt auf eine bunte Vergangenheit zurück. Ins Leben gerufen wurde sie im Jahr 1926 und lockte schon damals mehr als 50.000 Besucher an. Die Idee zu der Ausstellung entstand anlässlich der seit Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin ausgetragenen Wintertagung der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Der parallele Handel mit Waren aus Handwerk und Industrie in den Straßen des Tagungsviertels nahm immer stärker zu, bis die Stadt schließlich beschloss, beides miteinander zu verbinden. Seitdem präsentierten sich insgesamt schon mehr als 91.500 Aussteller fast 34 Millionen Gästen. Ihren Namen hat die Grüne Woche wohl ihren Besuchern zu verdanken, die zu Beginn meist vom Land stammten und in ihren grünen Lodenmäntel das Bild prägten.

Der reinen Warentauschbörse entwuchs die Grüne Woche schnell und entwickelte sich zu einer Präsentationsfläche für Innovationen aus Wissenschaft und Technik. In den zwanziger und dreißiger Jahren sorgten etwa eine Kannenmelkanlage, ein Raupenschlepper oder leistungsfähigere Getreidesorten für Aufsehen. Das Markenzeichen der Messe, die gelben Ähren auf grünem Grund, sind seit 1935 das Symbol der Grünen Woche.

Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 war die Grüne Woche eine reine Fachmesse. Die Nationalsozialisten missbrauchten sie jedoch unter der Losung „Blut und Boden sind die Lebensgrundlagen unseres Volkes“ als Propagandaschau für ihre Zwecke. Nach der letzten Grünen Woche im Dritten Reich 1939 sorgten Krieg und Zerstörung für eine acht Jahre lange Zwangspause.

Den Neustart wagte die Messe 1948 noch während der Berlin-Blockade mit gerade einmal 59 Ausstellern. Mit dem reichhaltigen Angebot früherer Jahre konnte sie aber noch nicht wieder mithalten: Schinken und Würste, die an einigen Ständen hingen, waren lediglich aus Pappe. Dafür bot die Grüne Woche ihren Besuchern in Zeiten des Mangels Informationen und Anleitung zur Selbstversorgung.

In den folgenden Jahren präsentierten immer mehr ausländische Aussteller ihre Angebote auf der Grünen Woche. Den Anfang machten 1951 die Niederlande, im Jahr 1962 stammte schon fast die Hälfte aller Aussteller aus dem Ausland. Das sollte sich fortan auch im Namen der Messe widerspiegeln: Nur ein Jahr nach dem Bau der Berliner Mauer erhielt die Grüne Woche den Zusatz „International“. Seit 2005 gibt es jedes Jahr ein offizielles Partnerland.

Zur Grünen Woche 1990 herrschte großer Andrang. Nach dem Fall der Mauer strömten zahlreiche Besucher aus dem Osten Deutschlands in die Messehallen. Mit der Öffnung der innerdeutschen aber auch der europäischen Grenzen seit 1989 hat die Messe zahlreiche Besucher und Aussteller hinzugewonnen. Mittlerweile stammt rund ein Drittel der mehr als 70 ausstellenden Nationen aus Mittel- und Osteuropa.

Bis heute hat die Messe ihr Programm stetig erweitert. In erster Linie sind es aber wohl noch immer die Spezialitäten aus aller Welt, die die Besucher jedes Jahr im Januar in die Berliner Messehallen ziehen - weshalb die Messe oft auch abfällig als „Fressmesse“ bezeichnet wird. Auch für Politiker ist die Ausstellung eine gern genutzte Bühne. So ließ sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schon beim Probieren von Käsehäppchen und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) beim Streicheln von Kühen fotografieren. Schließlich geht es bei der Grünen Woche genau darum: riechen, schmecken und anfassen. In Zeiten der Pandemie muss das aber hintanstehen.

Bildarchiv der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Rund drei Millionen Bilder finden sich derzeit dauerhaft oder temporär im Bildarchiv der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gut die Hälfte der Archivbilder sind noch analoge Fotoabzüge. Das Archiv verwaltet auch die Fotos der Redaktionsfotografen, die über Jahrzehnte das fotografische Erscheinungsbild der Zeitung prägten oder prägen, darunter die Bilder von Barbara Klemm, Wolfgang Haut, Lutz Kleinhans, Wolfgang Eilmes, Helmut Fricke und Frank Röth. Derzeit wird das analoge Bildarchiv der Frankfurter Rundschau, das vor einigen Jahren vor der Entsorgung im Müll gerettet werden konnte, in das F.A.Z. Bildarchiv integriert. Ein Teil der oben gezeigten Motive stammt aus diesem Archiv.(zi)

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Junge, Svea
Svea Junge
Redakteurin in der Wirtschaft.
Autorenporträt / Zimmer, Dirk (zi.)
Dirk Zimmer
Bildredakteur.
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