FAZ plus ArtikelHandelskammern

Ein deutscher Schatz

Von André Habisch
03.12.2021
, 14:41
Nah an der Politik und doch fern: Die Hamburger Handelskammer ist Teil des Rathauses.
Die Kammern sind eine unterschätzte Säule der Sozialen Marktwirtschaft. Zwischen Staat und Privat angesiedelt, haben sie ihren Beitrag an der geringen Jugendarbeitslosigkeit und den Erfolgen des Mittelstands. Ein Gastbeitrag.
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Zu den Standortfaktoren, um die Deutschland international oft beneidet wird, gehört sein System der dualen Berufsausbildung. Dessen grundlegende Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft hat auch der jüngst vorgelegte Abschlussbericht der Enquetekommission des Bundestages wieder herausgearbeitet. Trotz insgesamt etwas sinkender Azubi-Zahlen integriert sich hier nach wie vor knapp die Hälfte der Jugendlichen eines Jahrgangs frühzeitig in den Arbeitsmarkt. Das Nebeneinander von Ausbildungsbetrieb und Berufsschule erlaubt eine umfassende Berufsvorbereitung, die sich eng an den Standards der Praxis orientiert und landesweit anerkannt und zertifiziert wird. Absolventen stehen früh finanziell auf eigenen Beinen. Sie können ihren Ausbildungsgang später aber auch durch eine Meisterprüfung oder Studium fortsetzen.

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Als Resultat sind die deutschen Jugendarbeitslosigkeitsquoten im internationalen Vergleich absolut und relativ gering: Für Auszubildende gibt es keine höheren Eintrittsbarrieren in den Arbeitsmarkt als für erwachsene Arbeitslose mit Berufserfahrung. Das sieht in Südeuropa, aber auch in Großbritannien oder den USA ganz anders aus. International gibt es viel Interesse am deutschen Modell, wie Anfragen und Besuche hochrangiger Bildungspolitiker zeigen. Als eine der Ersten hatte sich die britische Premierministerin Margret Thatcher vor 40 Jahren – angesichts des Niedergangs der englischen Industriestandorte – für die duale Ausbildung interessiert. Doch schon nach ersten Gesprächen mit deutschen Mittelständlern erkannte die „Eiserne Lady“, dass dieses Modell schwer übertragbar sein würde: Traf sie doch auf Führungskräfte, die sich weit über ihre betrieblichen Interessen hinaus persönlich engagierten.

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