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Blut, Schweiß und Patente

Von Rainer Hank
10.05.2021
, 12:01
Im Reinraum eines Impfstoff-Produktionsstandorts
Aktivisten und Politiker rütteln in der Corona-Krise am Patentschutz. Aber verhindert Big Pharma wirklich eine gerechte Verteilung von Corona-Impfstoff?
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Es gibt unterschiedliche Arten von Massenmord. Eine davon heißt „Patent“. Mit diesen Sätzen beginnt der Schriftsteller Ilja Trojanow eine Kolumne in der Tageszeitung (taz). In einer Welt extremer sozialer Unterschiede entschieden Patente darüber, wer in der Pandemie überleben dürfe – und wer nicht. Trojanows Attacke ist keine Einzelmeinung. Aktivisten bedrängen Mitarbeiter von Impfstoffherstellern, die Patente rauszurücken, um sich nicht am Tod von Menschen zu versündigen. Pharmapatente trügen Schuld an einer künstlichen und somit profitablen Verknappung des Impfstoffs. Viel mehr davon könnte hergestellt werden, gäbe es das Patentrecht nicht. Während Industrienationen sich zwei Drittel aller Impfstoffe gesichert hätten, eskaliere die Lage in der armen Welt. Die meisten Impfstoffe gäbe es nicht, wäre ihre Erforschung nicht jahrzehntelang mit öffentlichen Milliarden finanziert worden, monieren die Patent-Kritiker. Warum sollen die Staaten für die Abnahme von Impfstoffen zahlen, die sie vorher bereits mit Steuergeldern finanziert haben? Die private Aneignung öffentlichen Geldes wäre selbst in der kapitalistischen Logik eine Sünde: „Dieser Impfstoff gehört den Menschen“, rufen die Patent-Kritiker.

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Mitte der Woche schloss sich die amerikanische Regierung der Forderung Indiens und Südafrikas an, die Welthandelsorganisation (WTO) solle die Patente für Corona-Impfstoffe aussetzen (genannt „waiver“), um „so viele Impfungen so schnell wie möglich zu so vielen Menschen wie möglich zu bringen“. Das Ziel wird niemand infrage stellen. Die Frage ist, ob ein „waiver“ dafür das richtige Instrument ist. Die altruistisch klingende Initiative Amerikas ist schon deshalb scheinheilig, weil kein Land bislang so wenig Impfstoff exportiert hat wie die Vereinigten Staaten. Die deutsche Kanzlerin hält dagegen. Noch.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Hank, Rainer
Rainer Hank
Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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