FAZ plus ArtikelBolsonaro unter Druck

Brasiliens tiefe Gräben

Von Tjerk Brühwiller, São Paulo
11.04.2021
, 20:58
Jeden Tag werden in Brasilien mehr als 3000 Corona-Tote gezählt. Ökonomen, Unternehmer und Banker forderten unlängst wirksame Maßnahmen von Präsident Bolsonaro. Doch dessen Regierung interessiert nur ihr liberaler Wirtschaftskurs.

Liebe geht durch den Magen, hatten sich Präsident Jair Bolsonaro und seine Minister wohl gedacht, als sie am Mittwoch eine Reihe von Spitzenunternehmern zum Essen zu später Stunde einluden. In der brasilianischen Wirtschaft war zuletzt Kritik gegen die Regierung laut geworden. In einem Brief hatten sich im März rund 500 Ökonomen, Unternehmer und Banker des Landes öffentlich an die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro gewandt, um wirksame Maßnahmen gegen die Pandemie zu fordern. Damals hatte sich das Ausmaß der aktuellen Welle erst abgezeichnet. Inzwischen ist das Gesundheitswesen des Landes am Limit.

Jeden Tag werden mehr als 3000 Corona-Tote gezählt. Das Nachtessen sollte es wieder richten – zumindest was das Verhältnis zwischen der Regierung und der Wirtschaftselite angeht. Unter dem Druck der Wirtschaft und des Kongresses hatte Bolsonaro vor Wochen schon seinen Gesundheitsminister geschasst. Anstatt eines Generals führt seither ein Arzt das Ministerium. Trotz der kritischen Situation hält Bolsonaro jedoch weiterhin nichts von Isolationsmaßnahmen. Die Probleme Brasiliens würden nicht gelöst, indem man zu Hause bleibe, sagte er.

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Quelle: F.A.Z.
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Tjerk Brühwiller
Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.
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