Homeoffice-Verordnung

Und was macht das Amt?

EIN KOMMENTAR Von Dietrich Creutzburg
20.01.2021
, 18:25
Voraussichtlich kommenden Mittwoch soll die Verordnung für eine Ausweitung des Homeoffice in Kraft treten. Bringt diese nicht nur noch mehr Rechtsunsicherheit?

Arbeitgeber werden jetzt also verpflichtet, ihren Beschäftigen ein Arbeiten von zu Hause aus anzubieten. Zwar enthält die neue Verordnung nun doch keinen eigenen Bußgeldkatalog. Sie greift auch nur, wo keine „zwingenden betriebsbedingten Gründe“ entgegenstehen. Die Preisfrage aber bleibt: Was soll das? Am Ende bringt die Mitte März automatisch auslaufende Vorschrift wohl nicht mehr als ein Appell, außer mehr Rechtsunsicherheit. Denn welcher amtliche Arbeitsschutzkontrolleur sollte bis dahin justitiabel klären, ob ein „betriebsbedingter Grund“ triftig oder vorgeschoben ist? Außerdem sollen sich die Kontrolleure doch neuerdings um Missstände in Schlachthöfen kümmern. Da werden sie nun ja wohl kaum in Heeren durch alle Büros ziehen und für jeden dort vorgefundenen Arbeitsplatz prüfen, ob er sich gegen den Willen des Arbeitgebers nach Hause verlegen lässt. Falls doch, sollten sie mit einem Rat aus der Wirtschaft beginnen – und sich erst mal durch die öffentliche Verwaltung arbeiten, um deren Einsatz für mehr Homeoffice zu kontrollieren. Vermutlich erweist sich dann aber fehlender digitaler Fortschritt als „betriebsbedingter“ Hinderungsgrund.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
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