IAB-Bericht

Wie die Corona-Krise den Arbeitsmarkt trifft

Aktualisiert am 25.09.2020
 - 12:23
Die Krise setzt der ohnehin im Strukturwandel befindlichen Autobranche zu.
Im Jahresdurchschnitt dürfte die Arbeitslosenzahl 2020 um 440.000 Personen steigen, prognostizieren die Forscher. Zwar erholt sich die Wirtschaft schon wieder, doch in manchen Branchen dürfte es so bald nicht bergauf gehen.

Es geht wieder aufwärts mit der Konjunktur. Diesen grundsätzlichen Trend unterstreichen auch die Fachleute am Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in ihrem aktuellen Kurzbericht. Für das laufende Jahr erwarten sie einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,2 Prozent, während für 2021 ein Plus von 3,2 Prozent in Aussicht gestellt wird.

„Der Arbeitsmarkt geriet massiv unter Druck, die Entlassungszahlen blieben angesichts des immensen wirtschaftlichen Schocks jedoch vergleichsweise begrenzt“, stellt Enzo Weber, der Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ rückblickend fest. „Auch aufgrund der Stabilisierungsmaßnahmen“ sei der Arbeitsmarkt nicht „ins Bodenlose“ gefallen, betonte Weber.

Die Autoren heben hier besonders Liquiditätshilfen und den erleichterten Zugang zur Kurzarbeit hervor. Die bisherige Reaktion passe so ins Bild eines „deutlich stabiler gewordenen Arbeitsmarkts“. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte dem Bericht zufolge im Jahresdurchschnitt um 440.000 Personen ansteigen. Bei der Anzahl der Erwerbstätigen prognostizieren die Forscher ein Minus von 400.000 Personen im Vergleich zu 2019. Dies führen sie auch auf den starken Rückgang im Bereich der Minijobs zurück, da diese von Kurzarbeit nicht profitierten. Für 2021 gehen sie derweil von einem Anstieg der Erwerbstätigenzahl um 130.000 Personen auf insgesamt 45 Millionen und einem Rückgang der Arbeitslosen um im Schnitt 100.000 Personen aus.

Corona beschleunigt Stellenabbau in Autobranche

Der grundsätzlich optimistische erscheinende Ausblick trübt sich freilich ein, wenn es um Branchen geht, die nach wie vor stark von den corona-bedingten Einschränkungen betroffen sind. Alleine in den Bereichen „Handel, Verkehr, Gastgewerbe“ dürften im laufenden Jahr den IAB-Fachleuten zufolge 230.000 Stellen wegfallen – ohne dass in 2021 wieder neue entstehen dürften. Ein ähnliches Bild ergibt sich mit Blick auf die Kulturbranche, sowie den Bereich Sport und Erholung (im Bericht unter „sonstige Dienstleistungen“ zusammengeführt).

Veranstaltungen wie etwa Konzerte sind mit erheblich verringertem Ticket-Kontingent, um den Mindestabstand zu gewährleisten, kaum wirtschaftlich durchzuführen. Neben den Veranstaltern trifft dies auch die diversen Dienstleister in der Branche. Entsprechend erwarten die Forscher auch hier nach einem Verlust von 110.000 Stellen in 2020 für das kommende Jahr keine Schaffung neuer. Im produzierenden Gewerbe beschleunigte die Corona-Pandemie den Stellenabbau, der im Zuge des Strukturwandel in der Autobranche ohnehin schon im Gange gewesen sei. Für 2020 kommen die Forscher so auf ein Minus von 151.000 Arbeitsplätzen und weiteren 63.000 in 2021.

Neueinstellungen fördern

Einen positiven Trend gebe es insbesondere durch den Ausbau der Kinderbetreuung und mehr Investitionen in der Altenpflege und den Gesundheitsbereich, bedingt durch die generelle Alterung der Gesellschaft. Zudem habe die Pandemie die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen steigen lassen, sodass die Forscher auf diesen Gebieten insgesamt mit einem Plus von rund 190.000 Beschäftigten für 2020 und 2021 rechen.

Durch die Pandemie nochmal mehr in den Fokus rückte auch die Digitalisierung, weshalb in den Branchen „Information und Kommunikation“ die Zahl der Beschäftigten in diesem Jahr um 30.000 und in 2021 nochmals um 48.000 Personen ansteigen dürfte.

Grundsätzlich weisen die Forscher jedoch daraufhin, dass ein denkbarer zweiter Shutdown durch die Prognose ebenso wenig abgedeckt ist, wie die Auswirkungen einer möglichen großen Insolvenzwelle. Die Aussetzung der Insolvenzpflicht habe „kurzfristige Kriseneffekte“ abgemildert. Eine weitere Verlängerung berge allerdings die Gefahr, dass nicht zu vermeidende Insolvenzen künstlich verschleppt würden. Zudem regen sie an, Neueinstellungen zu fördern. Während sich das Entlassungsniveau normalisiert habe, liege die Zahl der neuen Stellen noch immer weiter unter dem Stand vor Beginn der Corona-Krise.

Quelle: bfch.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot