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Immobilienmarkt

New York will keine anonymen Wohnungskäufe mehr

Von Roland Lindner, New York
 - 06:14
Ein Neubau mit Luxusappartements mitten in Manhattan

Wenn Reiche und Prominente in New York oder auch anderswo Immobilien kaufen, tun sie das oft nicht unter ihrem eigenen Namen. Vielmehr verstecken sie sich hinter einer Firma. Üblicherweise ist das eine „Limited Liability Company“ (LLC), also eine Variante der deutschen GmbH. Popstar Taylor Swift soll zum Beispiel mehrere Appartements in New York über eine solche LLC gekauft haben. Auch Jeff Bezos, Vorstandsvorsitzender des Online-Händlers Amazon und reichster Mensch der Welt, hat sich dieses Vehikels für den Erwerb von Immobilien bedient.

Eine Rekordtransaktion in New York lief dieses Jahr ebenfalls über eine LLC: Der Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin zahlte 240 Millionen Dollar für ein Penthouse in einem neuen Wolkenkratzer am Südrand des Central Park. Es ist die mit Abstand teuerste Wohnung, die es jemals in der Stadt gegeben hat, und Griffin erwarb sie über eine „NYCP LLC“. In diesem Fall wie auch bei Taylor Swift ist freilich trotzdem durchgesickert, wer hinter der Transaktion stand. Aber das ist nicht immer so.

Der Trick, mit einer LLC anonym zu bleiben, wird womöglich künftig zumindest in New York nicht mehr funktionieren. Denn kürzlich wurde für den gesamten Bundesstaat ein Gesetz verabschiedet, wonach beim Kauf von Immobilien über eine LLC angegeben werden muss, wem sie gehört. Diese Informationen sollen für die Öffentlichkeit verfügbar sein: Es muss lediglich ein Antrag gestellt werden, um an sie heranzukommen.

Gefahr von Geldwäsche

Es gibt verschiedene Gründe, Immobilien über eine LLC zu kaufen. Der Wunsch nach Anonymität ist ein naheliegendes Motiv, gerade für Menschen, die ohnehin schon in der Öffentlichkeit stehen und nicht wollen, dass jeder weiß, wo sie wohnen. Die LLC-Konstruktion kann auch helfen, Vermögenswerte vor Klagen abzuschirmen. Und sie kann auch für zwielichtige Zwecke eingesetzt werden – zum Beispiel wenn der Kauf von Immobilien zur Geldwäsche genutzt wird.

In jedem Fall sind LLC-Transaktionen im New Yorker Immobilienmarkt heute gang und gäbe. In dem Wohnturm, in dem sich das neue Domizil des Hedgefonds-Milliardärs Griffin befindet, sind nach einer Analyse des „Wall Street Journal“ 85 Prozent aller bislang verkauften Wohnungen von einer LLC erworben worden. Insgesamt gehörten 12 Prozent aller Eigentumswohnungen in der Stadt einer LLC. Bei Eigentumswohnungen, die seit 2008 gebaut worden sind, liege der Anteil sogar bei 30 Prozent. Die Praxis beschränkt sich somit also nicht auf eine kleine Gruppe von Superstars und Superreichen.

Das neue Gesetz hatte ursprünglich eigentlich gar nichts mit der Stadt New York selbst zu tun. Ausgangspunkt dafür waren Gegenden im Umland der Metropole, wo in Häusern, die LLCs gehörten, Verstöße gegen die Bauordnung festgestellt wurden. Es erwies sich allerdings als schwierig, die Eigentümer der LLCs ausfindig zu machen und zur Verantwortung zu ziehen. Lokalpolitiker erarbeiteten dann den Entwurf für das neue Gesetz, das nun nicht nur in ihrer Region gilt, sondern im ganzen Bundesstaat und somit auch in New York City. Der Disput in der Provinz hat also als Nebeneffekt auch den riesigen New Yorker Immobilienmarkt mit all seinen Luxuswohntürmen erfasst.

Immobilienbranche fürchtet starke Einbußen

Ob das neue Gesetz wirklich so ausgelegt werden kann, dass nun jedermann herausfinden kann, wer eine bestimmte Immobilie über eine LLC gekauft hat, ist unter Experten nicht ganz unumstritten. Insofern muss sich noch zeigen, ob nun reihenweise die Identitäten von Wohnungskäufern gelüftet werden. In jedem Fall ist die New Yorker Immobilienbranche in Aufruhr, zumal sich gerade das Luxussegment im Markt in jüngster Zeit ohnehin schon erheblich abgeschwächt hat.

Es gibt ein Überangebot von Immobilien und weniger Käufer aus dem Ausland als früher. Zudem sind die Steuern beim Kauf von besonders teuren Wohnungen in der Stadt angehoben worden. Die Aussicht auf einen Wegfall von Anonymität beim Immobilienkauf ist nun ein weiterer Rückschlag. Die prominente New Yorker Immobilienmaklerin Dolly Lenz sagte kürzlich in einem Fernsehinterview: „Es ist verheerend. Im Moment kommt eines zum Anderen.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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