Phase-III-Studie

Impfstoff von Johnson & Johnson zeigt Wirksamkeit von 66 Prozent

29.01.2021
, 14:52
Der nächste Pharmahersteller veröffentlicht Wirksamkeitsdaten seines Impfstoffkandidaten. Das Mittel von Johnson&Johnson hätte den Vorteil, dass von ihm nur eine Dosis verabreicht werden muss und nicht wie üblich zwei.

Der Covid-19-Impfstoffkandidat des amerikanischen Pharmakonzerns Johnson & Johnson hat einer weltweiten Studie zufolge eine Wirksamkeit von 66 Prozent. In einer Studie in den Vereinigten Staaten habe das Vakzin aber eine höhere Wirksamkeit von 72 Prozent gezeigt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die unterschiedlicheren Studienergebnisses hängen offenbar auch mit den ansteckenderen Virusvarianten zusammen. In Südafrika, wo eine solche festgestellt wurde, zeigte der Impfstoff nur eine Wirksamkeit von 57 Prozent. In Lateinamerika lag diese bei 66 Prozent. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hatte im vergangenen Jahr einen Mindestwert von 50 Prozent für eine mögliche Zulassung festgelegt.

Die Studie umfasste rund 44.000 Teilnehmer auf drei Kontinenten. Der Impfstoff soll den Vorteil bieten, dass von ihm nur eine Dosis verabreicht werden muss und nicht wie üblich zwei. Zudem muss das Präparat auch nicht tiefgefroren gelagert werden, was die Verteilung erleichtert. Die Aktien des Unternehmens fielen nach der Veröffentlichung der Daten vorbörslich um rund vier Prozent.

Der amerikanische Hersteller hatte die entscheidende Phase der klinischen Tests bereits im September 2020 gestartet. Deutschland soll 37,25 Millionen Dosen erhalten. Wann der Impfstoff in der EU zugelassen werden könnte, ist noch offen. Johnson & Johnson kündigte an, Anfang Februar eine Notfallzulassung in den Vereinigten Staaten beantragen zu wollen.

Die Chefetage des Konzerns äußerte sich zufrieden. Unter Gesundheitspolitikern war die Reaktion verhalten. „Leider sind die Daten nicht so überzeugend, dass man gleich jubeln kann“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im Europaparlament, Peter Liese. Unter anderem die Experten der europäischen Arzneimittelagentur müssten das ganze nun „sehr genau prüfen und dann muss entschieden werden, ob und in welcher Form der Impfstoff eingesetzt werden kann“, so der CDU-Politiker.

Schon am Donnerstagabend hat der amerikanische Hersteller Novavax vorläufige Testergebnisse für seinen Impfstoffkandidaten vorgelegt: Sie belegen eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent Wirksamkeit gegen Covid-19, wie das Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte. Demnach schützt er fast ebenso gut gegen die ansteckendere britische Variante wie gegen den ursprünglichen Erreger. Deutlich weniger wirksam ist er allerdings gegen die zuerst in Südafrika entdeckte Mutante. Nach einer ersten Zwischenanalyse der dritten Studienphase zeigte das Mittel gegen den ursprünglichen Erreger eine Wirksamkeit von 95,6 Prozent. Doch auch bei der Coronavirus-Mutante mit der Bezeichnung B.1.1.7., die zuerst in Großbritannien identifiziert worden war und die besonders ansteckend ist, liege die Wirksamkeit bei 85,6 Prozent. An den Tests in Großbritannien hatten nach Unternehmensangaben 15.000 Menschen im Alter von 18 bis 84 Jahren teilgenommen. 27 Prozent von ihnen waren älter als 65 Jahre. Die EU hat Sondierungsgespräche mit dem Unternehmen abgeschlossen und ist in Vertragsverhandlungen. Zum Stand wollte ein Kommissionssprecher am Freitag nichts sagen.

Ein weiterer Hoffnungswert ist Curevac. Das Tübinger Biotech-Unternehmen forscht an einem Mittel, für das im Dezember die zulassungsrelevante klinische Phase-III-Studie begann. Mit Ergebnissen rechnet Curevac, das mit dem Pharmakonzern Bayer kooperiert, bis Ende März. Die Bundesregierung hat bis zu 73 Millionen Dosen des Vakzins bestellt.

Quelle: Reuters/dpa
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