FAZ plus ArtikelRussische Impfkampagne

Sputnik V will einfach nicht fliegen

Von Katharina Wagner, Moskau
13.06.2021
, 08:17
Trotz intensiver Propaganda für den eigenen Impfstoff wollen sich viele Russen noch immer nicht impfen lassen. Für Skepsis sorgt unter anderem die undurchsichtige Datenlage der verwendeten Präparate.

Dass die Corona-Impfkampagne in Russland nicht gut läuft, musste kürzlich selbst Präsident Wladimir Putin eingestehen. Auf die Frage eines Moderators beim Sankt Petersburger Wirtschaftsforum, wieso die Russen „nicht gerade zur Impfung rennen“ – erst gut 12 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Dosis erhalten, obwohl die Kampagne schon im Dezember begann –, antwortete Putin, so sei „eben die Mentalität“. Die Leute würden sich auch nicht gegen Grippe impfen lassen. Zwingen werde man niemanden, aber besser aufklären und motivieren müsse man die Leute. Dafür brauche man ja nicht gleich Freibier austeilen, sagte Putin und versuchte mit der Anspielung auf die Aktion einer amerikanischen Brauerei den Eindruck zu erwecken, überall auf der Welt müsse man die Menschen mit Geschenken zur Impfung locken.

Dabei ist die Lage in Russland speziell: Obwohl die Zahl der Neuinfektionen gerade wieder rasant steigt – allein in Moskau wurden am Freitag knapp 6000 neue Fälle registriert –, trauen viele Russen den verfügbaren Impfstoffen nicht, auch wenn sie alle im eigenen Land hergestellt wurden. Neben Sputnik V werden noch die Präparate zweier weiterer staatlicher Produzenten eingesetzt, Epivakorona und Kovivak, allerdings deutlich seltener als Sputnik V. Anfang Mai wurde schließlich noch die erste Dosis von Sputnik V als eigenes Vakzin namens Sputnik Light registriert, mit einer angeblichen Wirksamkeit von knapp 80 Prozent, das vorrangig für den Export in Länder gedacht ist, die sich zeitlich und finanziell keine zwei Dosen leisten können.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wagner, Katharina
Katharina Wagner
Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.
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