Zusammenarbeit mit Europa

Indische Träume

EIN KOMMENTAR Von Christoph Hein, Singapur
08.05.2021
, 08:22
Indien muss sich öffnen, Bürokratie und Protektionismus abbauen statt auszubauen. Gut, dass das jetzt vielleicht in Gang kommt.

An diesem Plan ist alles richtig, auch wenn er viele Jahre zu spät kommt: Die EU und Indien wollen jetzt ihre Zusammenarbeit deutlich ausbauen und damit Chinas Vordringen in Südasien erschweren. Dass die indische Regierung mit Blick auf die Corona-Katastrophe einen Offenbarungseid leisten muss, dürfte die Verhandlungen erleichtern, so zynisch dies angesichts von offiziellen, viel zu niedrigen Schätzungen von mehr als 21 Millionen Infizierten klingt.

Indien braucht mehr als Hilfe in Katastrophentagen. Die vergangenen 20 Jahre haben aber gezeigt, dass Absichtserklärungen aus Neu Delhi nicht reichen. Indien muss sich öffnen, Bürokratie und Protektionismus abbauen statt auszubauen.

Auch der Umgang mit Minderheiten, Intellektuellen und Journalisten, der unter Ministerpräsident Narendra Modi stark gelitten hat, muss sich wieder verbessern. Dann könnte es Gewinner auf beiden Seiten geben. Denn sollten Inder und Europäer eines Tages wirklich an einem Strang ziehen, könnte Südasien für viel mehr stehen als billige Textilfertigung. Den Menschen, die, von ihrer eigenen Regierung im Stich gelassen, in diesen Tagen leiden, wäre es zu wünschen.

Quelle: F.A.Z.
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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