Restaurantkette in Schulden

Kochkünstler Jamie Oliver hat sich die Finger verbrannt

Von Marcus Theurer, London
13.02.2018
, 18:19
In der Küche hat der britische Koch Jamie Oliver noch alles im Griff.
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Die Restaurantkette des Starkochs, Jamie’s Italian, ist ein Sanierungsfall. Doch das gilt nicht für alle Unternehmen seines Firmen-Imperiums.
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In der Küche hat Jamie Oliver alles im Griff, doch unternehmerisch ist dem Starkoch offenkundig einiges angebrannt: Seine Restaurantkette Jamie's Italian steckt in Großbritannien in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das Unternehmen hat mit seinen Gläubigern einen Restrukturierungsplan vereinbart, der Mietnachlässe und die Schließung weiterer 12 der zuletzt 37 Restaurants der Kette vorsieht. Man habe die „überwältigende Unterstützung“ der Gläubiger für die Notmaßnahmen erhalten, sagt das Management. Ohne die Restrukturierung stand offenbar die Zukunft der gesamten Restaurantkette auf der Kippe.

Oliver ist einer der kommerziell erfolgreichsten Köche der Welt. Der 42 Jahre alte Brite hat seit der Jahrtausendwende eine weitverzweigte und international tätige Restaurant- und Mediengruppe aufgebaut. Sein Vermögen wird auf 160 Millionen Pfund (180 Millionen Euro) geschätzt. Oliver hat nach eigenen Angaben mehr als 37 Millionen Kochbücher verkauft, die in 36 Sprachen übersetzt wurden. Seine Kochsendungen werden international ausgestrahlt. Bekannt geworden ist er auch als Aktivist für eine gesündere Ernährung. So startete er Kampagnen für bessere Schulmahlzeiten und forderte eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke.

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Nur mittelmäßige Bewertungen

Zwar hat Oliver in den vergangenen Jahren mehrere wirtschaftliche Fehlschläge einstecken müssen, doch die Schieflage von Jamie's Italian ist seine bisher größte geschäftliche Niederlage. Der im Oktober im britischen Handelsregister veröffentlichte Jahresabschluss der Jamie's Italian Limited weist für das Jahr 2016 einen Nettoverlust von 9,4 Millionen Pfund aus. Der Umsatz schrumpfte um 3 Prozent auf 112,7 Millionen Pfund. Zugleich werden Schulden bei der britischen Großbank HSBC von insgesamt 31,7 Millionen Pfund aufgeführt, die in mehreren Tranchen bis Anfang 2020 zurückgezahlt werden müssen. Neuere Geschäftszahlen des Unternehmens wurden bisher nicht veröffentlicht.

Angeblich soll die Restaurantkette sogar auf einem Schuldenberg von insgesamt 71 Millionen Pfund sitzen. Einem unbestätigten Bericht der Zeitung „The Sun“ zufolge hat das Unternehmen hohe Verbindlichkeiten gegenüber dem britischen Fiskus, Vermietern und Lieferanten. Selbst die Mitarbeiter sollen offene Gehaltsforderungen von 2,2 Millionen Pfund gegenüber ihrem Arbeitgeber haben. Das Unternehmen wies dagegen darauf hin, dass durch das jetzt vereinbarte Restrukturierungsprogramm 1800 Arbeitsplätze gesichert würden und nun alle Mitarbeiter ihr Geld erhielten.

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Jamie Oliver hat seine Kette von italienischen Restaurants im Jahr 2008 gegründet und schnell ausgebaut. Doch das Geschäftsumfeld ist in den vergangenen Jahren in Großbritannien immer schwieriger geworden. Auch andere Gastronomieketten im Königreich kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten. Jamie's Italian hat schon Anfang 2017 die Schließung von sechs Restaurants bekanntgegeben. Das Management hatte die Schwierigkeiten damals auch mit den Auswirkungen des Brexit-Votums der Briten begründet. Allerdings erhielten Olivers italienische Restaurants in Großbritannien auch nur mittelmäßige Bewertungen.

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In anderen Unternehmen seines Firmen-Imperiums scheinen die Geschäfte unterdessen besser zu laufen. Die Dachgesellschaft Jamie Oliver Holdings hat 2016 ihren Nettogewinn auf 4,2 Millionen Pfund versechsfacht. Die weitere internationale Expansion von Jamie's Italian – für die eine eigene Gesellschaft zuständig ist – soll unter den Schwierigkeiten in Großbritannien offenbar nicht leiden. Oliver hat angekündigt, nach langen Verzögerungen dieses Jahr in Hamburg die erste deutsche Filiale zu eröffnen.

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Quelle: F.A.Z.
Marcus Theurer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marcus Theurer
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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