Kasinokönig Sheldon Adelson

Der 10-Millionen-Dollar-Einsatz

Von Roland Lindner, New York
30.01.2012
, 16:00
Sheldon Adelson
In Amerika weckt der Kasinokönig Sheldon Adelson Argwohn mit üppigen Spenden im Vorwahlkampf der Republikaner. 10 Millionen Dollar hat er zusammen mit seiner Frau an Newt Gingrich gespendet. Seither schlägt sich Gingrich deutlich besser.
ANZEIGE

Was sind schon 10 Millionen Dollar, wenn man zu den reichsten Menschen in Amerika gehört? Für Sheldon Adelson entspricht der Betrag weniger als 0,05 Prozent seines Vermögens. Das liegt laut „Forbes“-Liste bei 21,5 Milliarden Dollar, damit steht der Kasino-Unternehmer auf Rang acht unter den reichsten Menschen in den Vereinigten Staaten.

ANZEIGE

Ein ganz anderes Gewicht haben 10 Millionen Dollar für einen Aspiranten auf das Amt des amerikanischen Präsidenten, der eine klamme Wahlkampfkasse hat. In dieser Position fand sich Newt Gingrich, der Kandidat der Republikanischen Partei werden will, aber neben dem finanziell bestens ausgestatteten Mitt Romney lange Zeit nur ein mickriges Budget zur Verfügung hatte - etwa um Werbespots im Fernsehen zu buchen, die in Amerika ein elementarer Teil jedes Wahlkampfs sind. Dann kam Gingrichs alter Freund zur Hilfe: Anfang Januar gab Adelson 5 Millionen Dollar, vor wenigen Tagen legte seine Frau Miriam noch einmal die gleiche Summe drauf.

Newt Gingrich
Newt Gingrich Bild: AFP

Das Geld kam für Gingrich wie gerufen: Ein großer Teil der ersten Finanzspritze floss in Anti-Romney-Werbespots im Bundesstaat South Carolina, kurz vor den dortigen Vorwahlen. Völlig überraschend gewann Gingrich haushoch. Inwiefern genau das Bombardement mit Negativwerbung über Romney die Wähler beeinflusst hat, ist schwer zu beurteilen, aber es dürfte Gingrich sicher geholfen haben.

Die Deckelung hat ein Schlupfloch

Die Adelson-Spenden unterstreichen, wie ein einzelner Wohltäter dem amerikanischen Wahlkampf seinen Stempel aufdrücken kann. Das hat es in dieser Form bei der letzten Wahl vor vier Jahren wegen gesetzlicher Spendenlimits nicht gegeben. Diese Beschränkungen gelten im Prinzip auch heute noch - eine Einzelperson darf je Wahlkampf nicht mehr als 2500 Dollar direkt an einen Kandidaten spenden -, aber der Oberste Gerichtshof in Washington hat vor zwei Jahren in einer umstrittenen Entscheidung ein Schlupfloch zugelassen, dessen Dimensionen nun am Fall Adelson erstmals richtig offenbar werden.

Der Richterspruch ebnete den Weg für unbegrenzte Spenden an politische Aktionskomitees oder sogenannte „Super Pacs“. Diese Organisationen müssen zwar formell von Kandidaten unabhängig sein, haben sich aber in der Praxis dennoch als verlängerter Arm der Bewerber entpuppt. So spendeten auch die Adelsons nicht direkt an Gingrich, sondern an die Organisation „Winning our future“, die sich für ihn ins Zeug legt. Auch Romney hat ein solches Aktionskomitee hinter sich.

ANZEIGE

Der 78 Jahre alte Sheldon Adelson ist Amerikas Kasinokönig, auch wenn sein Unternehmen Las Vegas Sands heute den größten Teil seines Geschäfts in Asien macht. Adelson wuchs als Sohn jüdischer Immigranten aus der Ukraine in Boston auf, sein Vater war Taxifahrer. Reich wurde er zunächst nicht mit Kasinos, sondern mit der Computermesse Comdex, die er Ende der siebziger Jahre mit ins Leben rief und die lange der bedeutendste Branchentreff in Amerika war. Mitte der neunziger Jahre verkaufte er die Messegesellschaft und machte sich an den Aufbau seines Kasinoimperiums. 1999 eröffnete er das Venetian - eines der ersten in einer neuen Generation gigantischer Luxushotels, mit dem die vormals heruntergekommene Amüsiermeile „Strip“ in Las Vegas zum heutigen Glitzerbezirk wurde. Später ließ er neben dem Venetian die Schwesteranlage Palazzo errichten, aber ansonsten galt sein Augenmerk der Expansion in Asien, zuerst im chinesischen Glücksspielparadies Macau, dann in Singapur.

ANZEIGE

John McCain: „Schande“

Die Aktivitäten in Macau und Singapur standen zuletzt für mehr als 80 Prozent des Umsatzes von Las Vegas Sands, die Stammhäuser in der amerikanischen Heimatstadt kamen auf weniger als 15 Prozent. Der Konzern dürfte 2011 deutlich mehr als 9 Milliarden Dollar Umsatz erzielt haben, 2007 waren es noch knapp 3 Milliarden Dollar.

Die Rückschläge nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008, die das Kasinogeschäft in ganz Las Vegas getroffen haben, sind für Adelson heute weit weg. Damals fiel er in der „Forbes“-Liste weit nach hinten, der Aktienkurs von Las Vegas Sands rutschte zeitweise auf weniger als 2 Dollar. Mittlerweile notiert die Aktie wieder in der Gegend von 50 Dollar, und Adelson ist obenauf. Er hält zusammen mit seiner Frau Miriam 57 Prozent der Anteile an Las Vegas Sands, entsprechend schlagen sich Schwankungen im Aktienkurs auch direkt in seinem Vermögen nieder.

Die Nähe zur Politik ist für Adelson nichts Ungewöhnliches. Er hat schon in der Vergangenheit oft Politiker unterstützt, vorzugsweise aus der Republikanischen Partei. Die Multimillionenspenden für das Gingrich-Aktionskomitee unter den gelockerten Regeln katapultieren ihn nun freilich in eine ganz neue Liga - und machen ihn anfälliger für den Vorwurf, sich politische Gefälligkeiten erkaufen zu wollen. Manch anderer Politiker sieht die Entwicklung mit Argwohn. John McCain, der Kandidat der Republikaner bei der Präsidentschaftswahl 2008, nannte die Super Pacs vor wenigen Tagen eine „Schande“. Früher oder später werde es im Zusammenhang mit diesen neuerdings erlaubten üppigen Spenden einen „größeren Skandal“ geben.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE