Kennzeichnungsverbot

Falsches Fleisch

EIN KOMMENTAR Von Stefanie Diemand
Aktualisiert am 17.10.2020
 - 19:20
Sieht aus wie ein Burger, soll aber keiner sein: vegetarische Patties.
Vegetarische Hamburger oder Schnitzel? Das EU-Parlament stimmt nächste Woche über ein Kennzeichnungsverbot ab. Gerne wird mit Verbraucherinteressen argumentiert. Eigentlich geht es aber um etwas ganz anderes.

Darf ein Schnitzel auch vegetarisch sein? Darüber will in der nächsten Woche das EU-Parlament abstimmen. Wenn es nach der Fleischlobby geht, gibt es keine „Veggie-Würste“, sondern nur „Veggie-Stangen“. Nur richtiges Fleisch dürfe auch so bezeichnet werden. Gerne wird dabei mit Verbraucherinteressen argumentiert. Doch welcher Kunde verwechselt wirklich ein Ersatzprodukt mit dem tierischen Original? Nicht nur, dass die pflanzlichen Hersteller auf ihren Produkten für genau diese fleischlose Eigenschaft werben, im Supermarkt stehen Fleisch und Fleischersatz oft nicht mal im gleichen Regal.

Es geht doch eigentlich um etwas ganz anderes: Der Markt für pflanzliche Produkte wächst rasant, im nächsten Jahr wird ein zweistelliges Wachstum erwartet. Es mag einigen traditionellen Herstellern Bauchschmerzen machen, wenn immer mehr Menschen zu vegetarischen Produkten greifen.

Statt den Verbraucher für dumm zu verkaufen und den fairen Wettbewerb einzuschränken, müssen traditionelle Hersteller dann aber ihr Sortiment anpassen. Dass das funktionieren kann, haben schon andere gezeigt: Die Traditionsmetzgerei Rügenwalder Mühle war mit der Umstellung früh dran und verkauft heute mehr Veggie-Fleisch als Wurst.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Diemand, Stefanie
Stefanie Diemand
Redakteurin in der Wirtschaft.
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