FAZ plus ArtikelBezos und Branson

Weltraumspaß mit Milliardären

Von Roland Lindner, New York
21.07.2021
, 16:59
Die Weltraumflüge der beiden Unternehmer Bezos und Branson werden zurecht nicht nur bejubelt. Aber die private Raumfahrtindustrie hat auch einen Innovationsschub gebracht.

Für Jeff Bezos war es „der beste Tag aller Zeiten“, Richard Branson nannte es „magisch“. Im Abstand weniger Tage flogen die Multimilliardäre in den Weltraum, als erste Menschen, die dies mit ihrem eigenen Raumfahrtunternehmen taten. Um seinem Flug historische Symbolik zu geben, wählte Bezos dafür den Jahrestag der ersten Mondlandung. Branson setzte daraufhin seinen Trip noch etwas früher an und kam Bezos zuvor. Beide sehen ihre Fahrten ins All nicht nur als persönliches Abenteuer, sondern als Wegbereiter für Weltraumtourismus. Was sie erlebt haben, soll bald einer breiteren Masse möglich sein. Und irgendwann würden Vergnügungsreisen ins All etwas ganz Alltägliches.

Die Weltraumtouren von Bezos und Branson sind ein riesiger Erfolg, werden aber nicht nur bejubelt. Für manche ist es eine obszöne Zurschaustellung von Reichtum, und mit ihrem kindischen Wettbewerb, wer als Erster fliegt, haben die Unternehmer diese Wahrnehmung gefördert. Gerade Bezos wird vorgehalten, er habe sich auf fragwürdige Weise in die Lage versetzt, das extravagante Vorhaben zu finanzieren, mit Steuerkniffen oder auf dem Rücken von Mitarbeitern des bis kürzlich von ihm geführten Online-Händlers Amazon, die oft über schlechte Arbeitsbedingungen klagen. Vielleicht am schwersten wiegt der Einwand, dass Bezos und Branson mit ihren Unternehmen Blue Origin und Virgin Galactic ein Zeitalter von Spaßtrips ins All einzuläuten versuchen, während der Kampf gegen den Klimawandel immer dringlicher wird. Sie schmücken sich zwar mit persönlichen Klimainitiativen, haben aber keine überzeugende Antwort, wie sich Weltraumtourismus damit vereinbaren lässt.

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Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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