Mehr als 32 Euro

CO2-Zertifikate so teuer wie nie

15.12.2020
, 18:58
Der Preis für eine Tonne im europäischen Emissionshandel hat ein Allzeithoch erreicht. Als preistreibend gilt das ehrgeizigere EU-Klimaziel. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle.

Der Preis für CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandel eilt derzeit von Rekord zu Rekord. Nachdem er im Zusammenhang mit den Verhandlungen über ein höheres EU-Klimaziel schon vorige Woche auf 31 Euro hochgeschnellt war, übersprang er am Dienstag sogar die Marke von 32 Euro. Ein Zertifikat berechtigt Kraftwerksbetreiber sowie Teile der Industrie und Luftfahrt zum Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid. Erworben werden kann es bei Auktionen oder im freien Handel an Energiebörsen wie der Leipziger EEX. Da die gehandelte Zertifikatemenge immer weiter reduziert wird, soll der Emissionshandel Investitionen in Verbindung mit klimafreundlichen Technologien stimulieren.

Vom coronabedingten Einbruch auf 15 Euro im März hat sich der Preis längst erholt. Nach kleinen Rückschlägen im Sommer geht es seit Anfang November im Trend bergauf – nicht gerade zur Freude der Industrie, die seit jeher argwöhnt, dass die Zertifikate auch ein beliebtes Spekulationsobjekt für Anleger sind.

Aus Sicht von Beobachtern erklärt die Spekulation den jüngsten Preisanstieg aber nur bedingt. „Es scheint, dass Unternehmen und Marktteilnehmer ähnlich wie an den Aktienmärkten durch die Krise hindurchschauen“, sagt Ingo Ramming, Rohstoffspezialist bei der Commerzbank. „Entscheidend ist die erwartete Knappheit in der Zukunft und weniger die aktuelle Schwäche der Wirtschaft.“ Die geplante Anhebung des EU-Klimaziels für 2030 – was eine noch stärkere Verknappung der Zertifikate zur Folge haben könnte – verstärke diesen Effekt. Hinzu komme der Sondereffekt, dass die EU mindestens bis Ende Januar keine Emissionsrechte versteigern wird. „Dieses begrenzte Angebot sollte die Preise die nächsten Wochen unterstützen“, meint Ramming.

Auch die Brexit-Unsicherheit und Ausfälle von Gaslieferungen in Norwegen haben die Zertifikatenachfrage angeheizt, ergänzt Marcus Ferdinand vom Beratungshaus Icis. Selbiges gelte für den Streik der französischen Atomarbeiter, der zu einer erhöhten Stromnachfrage aus CO2-intensiveren Kraftwerken geführt habe. Ob der Preisanstieg anhält, sei jedoch offen. Gewinnmitnahmen schließt der Energieberater nicht aus. Die meisten Händler hätten ein ehrgeizigeres 2030-Klimaziel schon eingepreist und könnten nun verkaufen wollen – „was zu einer Preiskorrektur zum Jahresende führen kann“, sagt Ferdinand.

Quelle: niza.
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