Streit um Gas-Pipeline

Fast alle EU-Staaten kritisieren Amerika für Nord-Stream-2-Drohung

Aktualisiert am 14.08.2020
 - 18:36
Ein russischer Mitarbeiter vor einem Nord-Stream-2-Rohr
24 von 27 EU-Ländern halten die angedrohten amerikanischen Sanktionen offenbar für rechtswidrig. Die amerikanische Botschaft reagiert: Die russische Dominanz auf Europas Gasmarkt lasse Amerika keine Wahl.

Eine große Mehrheit der EU-Staaten hat die amerikanischen Sanktionsdrohungen gegen den Bau der Ostsee-Gas-Pipeline Nord Stream 2 offenbar als rechtswidrig kritisiert. Die EU habe sich nahezu geschlossen gegen weitere Einmischungen verwahrt, berichtet die „Welt“. Eine EU-Delegation habe am 12. August dem amerikanischen Außenministerium in einer Video-Konferenz die Position der Europäer dargelegt. Unterstützung dafür gebe es von 24 der 27 EU-Länder. In Wien bekräftigte der amerikanische Außenminister Mike Pompeo, sein Land akzeptiere die Pipeline nicht.

Durch die Pipeline soll von Anfang 2021 an russisches Gas direkt nach Deutschland fließen. Mit Sanktionsdrohungen gegen die am Projekt beteiligten Unternehmen versuchen die Vereinigten Staaten aber, eine Fertigstellung zu verhindern. Der überparteiliche Widerstand in den Vereinigten Staaten gegen das vom russischen Staatskonzern Gazprom geführte Projekt wird damit begründet, dass sich Europa und insbesondere Deutschland dadurch abhängig von russischem Gas machten. Amerika will zudem selbst Flüssiggas nach Europa exportieren.

Die amerikanische Botschaft in Berlin teilte mit, die Vereinigten Staaten würden lieber auf Sanktionen verzichten und mit Europa kooperieren. Die russische Dominanz des europäischen Gasmarkts lasse Amerika aber keine Wahl. Bei der EU-Kommission war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Das in der Schweiz ansässige Nord-Stream-2-Konsortium erklärte, der Vorstoß der EU sei bekannt, werde aber nicht kommentiert. Nord Stream 2 wird unter anderen auch von dem österreichischen Unternehmen OMV sowie von Uniper aus Deutschland unterstützt.

Quelle: Reuters
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