FAZ plus ArtikelFleischkonsum

Jung, weiblich, vegetarisch

Von Julia Löhr, Berlin
06.01.2021
, 16:13
Der Hunger auf Fleisch ist nach wie vor groß. Die Kritiker der industriellen Tierhaltung hoffen jetzt besonders auf eine Bevölkerungsgruppe.

Ob Weihnachtsgans, Ente oder Kartoffelsalat mit Würstchen – auch wenn viele Haushalte das vergangene Weihnachten anders gefeiert haben als früher, der Speiseplan dürfte vielerorts ähnlich gewesen sein: reichhaltig und fleischlastig. Knapp 60 Kilogramm Fleisch isst jeder Deutsche statistisch im Jahr. Eine Zahl, die zwar tendenziell zurückgeht, allerdings nur in einem geringen Ausmaß. Kritiker des deutschen Fleischkonsums gibt es viele. Neben Ärzten, die vor gesundheitlichen Risiken warnen, gehören dazu die Grünen und Naturschutzorganisationen, denen es vor allem um den Klima- und Tierschutz geht. Abgeholzte Regenwälder für den Anbau von Tierfutter, Emissionen aus der Tierhaltung, zu hohe Nitratwerte im Grundwasser durch die Gülle: Der Umwelt ginge es in einer Welt von Vegetariern und Veganern besser.

Doch eine solche ist noch weit entfernt, wie der am Mittwoch vorgestellte Fleischatlas der Grünen-nahen Böll-Stiftung und der Naturschutzorganisation BUND zeigt. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2019 knapp 653 Millionen Hühner, 55 Millionen Schweine, 34 Millionen Puten und 3,4 Millionen Rinder geschlachtet. Nicht alles davon wird in Deutschland verzehrt, zugleich importiert Deutschland aber auch Fleisch aus anderen Ländern, was unter dem Strich zu der durchschnittlichen Verzehrmenge von rund 60 Kilogramm je Einwohner im Jahr führt. Die Amerikaner und Australier kommen sogar auf mehr als 100 Kilogramm im Jahr. In aufstrebenden Ländern wie China und auf dem afrikanischen Kontinent sind die Mengen zwar noch geringer, aber der Fleischhunger wächst dort umso stärker. Auch deshalb erwarten Fachleute international ein weiteres Wachstum des Fleischkonsums.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Löhr, Julia
Julia Löhr
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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