Streit um Stickstoffdioxid

Hamburger Fahrverbot hilft kaum

Von Jan Hauser
15.12.2020
, 17:00
Ältere Dieselfahrzeuge dürfen in Hamburg nicht überall fahren. Nach einer neuen Studie verbessert das aber kaum die Luftqualität.

Der Nutzen der Hamburger Diesel-Fahrverbote ist zweifelhaft. Seit mehr als zwei Jahren sperrt die Hansestadt zwei Straßen für ältere Diesel-Fahrzeuge, da Stickstoffdioxid-Werte die EU-Grenzwerte überschritten haben und dies als gesundheitsschädlich gilt. „Die beiden Fahrverbote bringen wenig bis gar nichts“, sagt der Hamburger Ökonom Wolfgang Maennig der F.A.Z. „Wenn es überhaupt Effekte gibt, dann werden diese unter Umständen dadurch ausgeglichen, dass die Autofahrer Umwege fahren.“ Der Wirtschaftspolitik-Professor und sein Mitarbeiter Eren Aydin haben dafür Daten bis 2019 aus den Messstationen der gesperrten Straßen mit Werten in Hamburg sowie bundesweit verglichen.

Mit den Hamburger Durchfahrverboten Ende Mai 2018 in der Max-Brauer-Allee für ältere Diesel-Fahrzeuge sowie in der Stresemannstraße für ältere Diesel-Lkw erkennen die Forscher einen Einmaleffekt: Die Stickstoffdioxid-Werte (NO2) sind gesunken, aber seither unterscheidet sich die Entwicklung kaum vom Bundesdurchschnitt. „Es ist in ganz Deutschland zurückgegangen, weil die Flotten modernisiert werden“, sagt Maennig. Ihre Studie „Das Hamburger Dieselverbot – ein Beispiel für die Schwierigkeit von Politik-Evaluierung“ erscheint diese Woche in der Fachzeitschrift „Wirtschaftsdienst“.

Was verbessert die Luftqualität?

Hamburg war Vorreiter mit einem Diesel-Fahrverbot und will dies im kommenden Jahr überprüfen. Städte wie Berlin, Köln und Darmstadt sind nachgezogen. Stickstoffdioxid-Messwerte sind generell schon vor den Einschränkungen gesunken. Die Frage ist, inwieweit ein weiterer Rückgang an Fahrverboten liegt.

In der Hamburger Untersuchung ist in einem Teil der Regressionsschätzungen der Effekt beim Stickstoffdioxid etwa Null, beim Feinstaub ergeben sich Mehr-Emissionen. In einen anderen Teil der Schätzungen verringern sich Stickstoffdioxid-Emissionen um etwa 10 Prozent, beim Feinstaub gibt es keine signifikanten Verringerungen. Der Unterschied betrifft den untersuchten Zeitraum: Wenn ältere Werte bis aus dem Jahr 2006 einfließen, die deutlich höher sind, zeigt sich ein Rückgang der Stickstoffdioxid- und ein Anstieg der Feinstaubwerte.

In Hamburg sind Anwohner, Busse, Geschäftskunden oder Handwerker vom Fahrverbot ausgenommen. „Man muss wahrscheinlich ganze Gebiete sperren und nicht nur zwei Straßen, damit sich das Fahrverbot auf die Luftqualität auswirkt“, sagt Maennig. Für Umweltzonen zeigen andere Untersuchungen solche positiven Effekte.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hauser, Jan
Jan Hauser
Redakteur in der Wirtschaft.
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