FAZ plus ArtikelKlima und Wirtschaft

Wollen Sie eine Ökodiktatur, Frau Göpel?

Von Georg Meck
26.08.2020
, 14:37
Die Umweltaktivistin und Regierungsberaterin Maja Göpel kämpft gegen Überflussgesellschaft und Klimawandel. Sie streitet mit Redakteur Georg Meck über ihre Vorstellung von Ökonomie.

Frau Göpel, geht die Welt bald unter?

Die Welt bleibt bestehen, sie wird nur sehr anders aussehen, wenn wir unser Verhalten nicht fundamental ändern. Eines vorneweg: Ich bin keine Naturwissenschaftlerin, sondern Gesellschaftswissenschaftlerin. Aber durch das interdisziplinäre Arbeiten kenne ich natürlich die Beobachtungen und Modellierungen und nehme die sehr ernst. Und die Folgen des Klimawandels sehen wir doch schon jetzt, angefangen mit der Bodentrockenheit.

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Die Klimaretterin

Der offizielle Titel von Maja Göpel, geboren 1976, klingt sperrig: „Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“, abgekürzt WBGU. Einfacher formuliert: Sie bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Politik, Wissenschaft und NGOs, mit ihrem Expertengremium sichtet sie wissenschaftliche Erkenntnisse zu Umwelt und Entwicklung. Nachhaltigkeit und Klimawandel sind ihre Themen, sie war treibende Kraft bei der Gründung von „Scientists for Future“ im März 2019 und engagiert sich in diversen Initiativen in diesem Bereich. Aufgewachsen ist Maja Göpel in einem Dorf in der Nähe von Bielefeld, wo ihre Eltern, beide Mediziner, sich mit Freunden, die ebenfalls Kinder hatten, ein altes Bauernhaus gekauft und darin eine Art „ökosoziale“ Wohngemeinschaft eingerichtet haben. Die Kinder gingen alle auf dieselbe Schule, eine neugegründete Reformschule, in der es keine Zensuren und Zeugnisse gab, sondern „Berichte zum Lernvorgang“. Die zu Hause servierten Burger waren damals, in Göpels Kindheit, schon ohne Fleisch. Cola fehlte auf dem Speisezettel, dafür wurde sie früh politisiert. Maja Göpel studierte Medienwissenschaften in Deutschland, Spanien, der Schweiz und in Kanada, danach hat sie in Politischer Ökonomie promoviert. Die Wissenschaftlerin ist verheiratet, lebt mit ihrem Mann und den beiden Töchtern im Süden von Berlin. Mit ihrem jüngsten Sachbuch (Titel: „Unsere Welt neu denken“) landete sie einen Sommerhit, der Bestseller wurde schon 100 000 Mal verkauft. Anfragen für Auftritte sind gegenwärtig zwecklos, Maja Göpel ist restlos ausgebucht. Wachstumskritik ist ein wachsendes Geschäft. Den Reichen ist egal, wenn der Flug doppelt so viel kostet. Wir brauchen für ein gutes Leben nicht alles, was wir kaufen.

Quelle: F.A.S.
Georg Meck - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Georg Meck
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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