Umweltbewusstsein

Alte Klimaschützer

EIN KOMMENTAR Von Christoph Schäfer
16.11.2020
, 18:46
Die Alten wollen ihr Lebensende genießen, weiter dicke Diesel fahren und interessieren sich null für die Erderwärmung? Dieser Vorwurf ist grotesk falsch.

Die Anklage war scharf: „How dare you – Wie könnt Ihr es wagen?“ empörte sich Klima-Ikone Greta Thunberg vor den Vereinten Nationen. Sie inszenierte die Klimadebatte als einen Kampf zwischen jungen Aktivisten und alten Politikern, als sie sagte: „Alle kommenden Generationen haben euch im Blick, und wenn ihr euch dazu entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann entscheide ich mich zu sagen: Wir werden euch nie vergeben!“ Thunbergs Schmährede gipfelte im Vorwurf: „Die Jungen verstehen euren Verrat!“

Gerade einmal ein Jahr ist das her. Seitdem steht das Klischee: Die „Generation Greta“ rennt gegen untätige, alte Politiker an. Die Alten wollen ihr Lebensende genießen, weiter dicke Diesel fahren und interessieren sich null für die Erderwärmung. Dieser Vorwurf ist falsch. Eine Umfrage des ökologisch bewegten Wuppertal Instituts für Klima zeigt: Ältere Menschen achten mehr auf Nachhaltigkeit als jüngere.

Dazu nur zwei Testfragen: Wer stopft eher seine Socken? Und wer will eher alle zwei Jahre ein neues Handy? Man darf nicht alle Angehörigen einer Generation über einen Kamm scheren. Aber das Bild der uneinsichtigen Alten, die ihren Enkeln die Zukunft stehlen, ist grotesk fehlerhaft.

Quelle: F.A.Z.
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Christoph Schäfer
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.
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