Harter Sparkurs

Ölkonzern Shell rechnet mit Milliarden-Belastungen

21.12.2020
, 11:02
Der Ölkonzern fährt einen harten Sparkurs – und setzt in seiner bislang wichtigsten Sparte den Rotstift an. Die Aktie reagiert deutlich.

Der Ölkonzern Shell geht im vierten Quartal von milliardenschweren Belastungen aus. Nach Steuern würden diese wegen Wertminderungen, Restrukturierung von Vermögenswerten und belastenden Verträgen 3,5 bis 4,5 Milliarden Dollar betragen, teilte der Ölkonzern am Montag in Den Haag mit. Die Kosten im Zusammenhang mit dem Konzernumbau würden voraussichtlich im Jahr 2021 verbucht.

Das Unternehmen hatte im September einen harten Sparkurs angekündigt. Insgesamt sollen in den nächsten beiden Jahren bis zu 9000 Stellen gestrichen werden. Gleichzeitig soll in der bislang wichtigsten Sparte, der Förderung und Produktion von Öl und Gas, gespart werden.

So teilte Shell am Montag ebenfalls mit, einen Teil eines Flüssigerdgas-Exportprojekts in Australien für 2,5 Milliarden Dollar veräußern zu wollen. Das Unternehmen werde einen Anteil von 26,25 Prozent der Queensland Curtis LNG Common Facilities an Global Infrastructure Partners verkaufen. Das Geschäft soll in der ersten Hälfte 2021 abgeschlossen werden. Common Facilities umfassen Flüssiggas-Lagertanks, Anlegestellen und die Infrastruktur, die die Flüssiggas-Züge von QCLNG versorgen. Der Ölkonzern bleibt damit Mehrheitseigentümer und Betreiber einer der größten Flüssiggas-Anlagen Australiens.

Aktie im Minus

Shell teilte weiter mit, dass höhere Betriebskosten im Schlussquartal das bereinigte Ergebnis in allen Geschäftsbereichen beeinträchtigen werden. Bei der Förderung von Öl und Gas erwartet das Unternehmen aufgrund des aktuellen Preisumfelds sowie Steuerbelastungen einen Verlust beim bereinigten Ergebnis.

Die Produktion soll im vierten Quartal zwischen 2,28 und 2,35 Millionen Barrel Öläquivalent je Tag betragen. Dies spiegele die Auswirkungen der Hurrikane im amerikanischen Golf von Mexiko und die des milden Wetters in Nordeuropa in der ersten Hälfte des vierten Quartals wider, hieß es.

Die an der Amsterdamer Börse gehandelte Shell-Aktie gab am Montag deutlich nach und notierte in den ersten Handelsstunden um mehr als 5 Prozent im Minus.

Das Analysehaus RBC hat die Einstufung für Shell auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 2000 Pence
belassen. Der Zwischenbericht des Ölkonzerns zum vierten Quartal enttäusche, wenngleich das Schlussquartal eigentlich immer ein wenig „unordentlich“ aussehe, schrieb Analyst Biraj Borkhataria in einer am Montag vorliegenden Studie. Auch dürfte der Verkauf der Beteiligung an der australischen Flüssigerdgas-Tochtergesellschaft helfen, die Schulden zu senken.

Quelle: dpa
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