Umstrittene Praxis

Kabinett bringt Ende des Kükentötens auf den Weg

Von Julia Löhr, Berlin
20.01.2021
, 14:33
Ein Geschlechtstest im Ei soll die umstrittene Praxis ablösen. Tierschützern geht das Gesetz aus der Feder von Landwirtschaftsministerin Klöckner aber nicht weit genug.

Rund 45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr in Deutschland kurz nach dem Schlüpfen erstickt und zu Tierfutter verarbeitet, weil sie in der Landwirtschaft bislang kaum Verwendung finden. Diese umstrittene Praxis soll von Ende des Jahres an nicht mehr erlaubt sein. Das Bundeskabinett machte am Mittwoch den Weg für einen entsprechenden Gesetzesentwurf von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) frei. Betriebe sollen künftig ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei anwenden. Dadurch sollen männliche Küken gar nicht erst ausgebrütet werden. Eier aus entsprechenden Betrieben gibt es schon im Handel zu kaufen, allerdings machen sie bislang nur einen kleinen Teil des Angebots aus.

Ein „bedeutender Fortschritt für den Tierschutz“ sei das Gesetz, sagte Klöckner am Mittwoch in Berlin. „Weltweit sind wir die ersten, die so klar vorgehen.“ Kritik kam von Umwelt- und Tierschutzverbänden. „Statt männliche Küken zu töten, werden in Zukunft die Eier aussortiert. Das kann keine Lösung sein“, hieß es seitens des BUND. Ebenfalls nicht zufrieden zeigte sich die Geflügelwirtschaft, allerdings, weil ihr die Regelung zu weit geht. Sie befürchtet, dass die Betriebe künftig Wettbewerbsnachteile im Vergleich zu anderen Ländern haben. „Diese Tatsache wird kleinere deutsche Brütereien die Existenz kosten“, sagte Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft.

Die Entwicklung der Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei wurden vom Landwirtschaftsministerium mit mehreren Millionen Euro gefördert. Derzeit wird die Technik, bei der etwas Flüssigkeit aus dem Ei untersucht wird, zwischen dem 9. und dem 14. Bebrütungstag eingesetzt. Aus Sicht von Tierschützern ist dies jedoch zu spät. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass von 2024 an das Töten der Embyronen schon nach dem sechsten Bruttag verboten ist. Als nächstes muss sich der Bundestag mit dem geplanten Gesetz beschäftigen.

Naturschützer werben unterdessen für das Konzept der „Zweitnutzungshühner“. Dabei legen die Hennen Eier, während die Hähne gemästet werden. Die Hähne setzen allerdings weniger Fleisch an als gewöhnliche Masthühner, weshalb bislang erst wenige Landwirte auf diese Weise arbeiten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Löhr, Julia
Julia Löhr
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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