Erste Anlagen gehen vom Netz

Kohleausstieg startet schneller als erwartet

Von Helmut Bünder, Bonn
01.12.2020
, 10:55
Anlagen im Umfang von knapp 4,8 Gigawatt werden in der ersten Runde des deutschen Kohleausstiegs vom Netz gehen – deutlich mehr als zunächst eingeplant. Einige könnten aber in Reserve bleiben.

Der Kohleausstieg kommt mit unerwartet großen Schritten in Gang. Bis Ende dieses Jahres werden mehrere große Steinkohlekraftwerke und einige kleinere Industrieanlagen vom Netz gehen. Die Gesamtkapazität beträgt knapp 4,8 Gigawatt –deutlich mehr als zunächst eingeplant.

Die Betreiberunternehmen bekommen für die Abschaltung staatliche Ausgleichszahlungen von insgesamt 317 Millionen Euro. Diese Ergebnisse hat die Bundesnetzagentur nach der ersten Ausschreibung zur Stilllegung von Kraftwerken am Dienstag mitgeteilt.

Dabei konnten sich die Betreiberunternehmen um Entschädigungszahlungen für die Abschaltung ihrer Meiler bewerben. Das Interesse an diesem Premierentermin war riesig. Das Verfahren ist als eine Art Wettlauf angelegt, denn die Beihilfeobergrenzen sollen bei den noch kommenden Ausschreibungen kontinuierlich sinken.

Auch kleinere Anlagen stehen auf der Liste

Zudem lassen sich manche ältere Anlagen ohnehin nicht mehr wirtschaftlich betreiben, so dass die Unternehmen offenbar mit teils recht niedrigen Entschädigungsforderungen in die Ausschreibung gegangen sind. „Die Ausschreibungen stoßen bei den Betreibern auf positive Resonanz“, sagte Netzagenturpräsident Jochen Homann.

Im Durchschnitt betragen die genehmigten Zahlungen nur rund 66.000 Euro je Megawatt stillzulegende Leistung, nur ein Bruchteil des Höchstpreises, den die Bundesregierung auf 165.000 Euro festgesetzt hatte. Nach diesem Startschuss eröffnet die Netzagentur schon am 4. Januar die nächste Ausschreibung. Zu den erfolgreichen Premieren-Bietern gehört Vattenfall: Der Konzern hatte sich um Zahlungen für die beiden Blöcke seines Hamburger Heizkraftwerkes Moorburg beworben, auf die allein 1600 Megawatt entfallen.

Uniper lässt sich für den Ausstieg aus dem Kohlekraftwerk Heyden entschädigen, eine Anlage mit einer Leistung von 875 Megawatt. RWE nimmt seine Kohlekraftwerke Ibbenbüren und Westfalen mit insgesamt knapp 1600 Megawatt vorzeitig aus der Erzeugung. Die Essener Steag ist mit dem Kraftwerk Walsum (370 Megawatt) dabei. Auf der Liste stehen auch kleinere von Industrieunternehmen betriebene Anlagen für die eigene Stromerzeugung.

Kraftwerke, die einen Zuschlag erhalten haben, dürfen vom 1. Januar an keinen Strom mehr für den Markt produzieren. Allerdings können die Übertragungsnetzbetreiber beantragen, die Anlagen zur Absicherung des Stromnetzes in Reserve zu halten. Darüber muss dann jeweils noch die Netzagentur entscheiden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Bünder, Helmut (bü.)
Helmut Bünder
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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