FAZ plus ArtikelStreit um Atomenergie

„Kernkraft ist quicklebendig und wächst“

Von Christian Geinitz
09.11.2021
, 07:56
Sieht den Verweis auf Fukushima nicht als valides Argument gegen die Atomkraft: Rafael Grossi
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Der Chef der Weltatombehörde IAEO, Rafael Grossi, spricht im Interview über die Unverzichtbarkeit der Technik für den Klimaschutz, den schlechten Ruf der Atomkraft und Deutschlands eigentümliche Sonderrolle.
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Herr Grossi, viele sagen, auf der Weltklimakonferenz hier in Glasgow gehe es um nicht weniger als um den Erhalt der Erde. Bedroht Kernkraft den Planeten, oder hilft sie bei seiner Rettung?

Kernkraft ist keine Bedrohung, sondern Teil der Lösung, um das Klima zu retten. Fast ein Drittel des sauberen Stroms auf der Welt stammt aus kohlendioxidneutralen Atomreaktoren. In Europa nutzt die Hälfte der Länder Kernenergie, einige Nationen wollen sie sogar verstärkt einsetzen. Und in den aufstrebenden Staaten des Südens ist das auch der Fall. Dass Atomkraft ein Problem sei, ist ein hartnäckiges Narrativ. Aber ich sehe klare Zeichen, dass das angesichts der Dringlichkeit der Klimadiskussion hinterfragt wird, übrigens auch in Deutschland. Das ist auch richtig so, denn ohne Kernkraft wäre es fast unmöglich, zur Dekarbonisierung zu gelangen.

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Zur Person

Rafael Grossi sitzt seit Ende 2019 der Internationalen Atomenergie-Organisation als Generaldirektor vor. Die IAEA mit Sitz in Wien gehört vertraglich zum System der Vereinten Nationen, ist aber keine Uno-Behörde. Ihre Aufgabe ist es, die friedliche Nutzung der Kernenergie zu fördern, etwa zur Stromerzeugung oder zur Krebstherapie. Gleichzeitig soll sie die militärische Nutzung, Fehlverwendungen sowie den Austritt von Strahlung und die illegale Entsorgung von Atomabfällen eindämmen. 2005 erhielt die IAEO den Friedensnobelpreis. Sie überwacht den Atomwaffensperrvertrag und wurde unter anderem durch die Inspektion iranischer Atomlabore bekannt. Grossi, ein 1961 in Buenos Aires geborener argentinischer Diplomat, war früher unter anderem Präsident der Gruppe der Kernmaterial-Lieferländer (NSG), die mit Hilfe von Exportbeschränkungen zur Nichtverbreitung von Kernwaffen beitragen will. Der Vater von acht Kindern studierte und promovierte in Geschichte und Internationaler Politik.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Geinitz, Christian
Christian Geinitz
Wirtschaftskorrespondent in Berlin
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