FAZ plus ArtikelCO2-Preis

Ein sozialer Ausgleich für die Klimapolitik

Von Manuel Frondel, Michael Pahle, Ottmar Edenhofer und Christoph M. Schmidt
23.10.2021
, 09:07
Der CO2-Preis verteuert vor allem Autofahren und Heizen. Das birgt soziale Sprengkraft. Die Einnahmen sollen daher über einen fairen Ausgleich an die Bürger zurückfließen. Bloß wie?
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Egal, welche Koalition Deutschland in den kommenden Jahren regieren wird - die Klimapolitik wird ein bestimmendes Thema dieser Legislaturperiode werden. Eine, wenn nicht die entscheidende Stellschraube bildet dabei der CO2-Preis, der im Grundsatz sowohl von den Grünen als auch von der FDP unterstützt wird und der somit zum wichtigsten Pfeiler der künftigen Klimapolitik werden könnte. Seit der Einführung zu Beginn des Jahres sind durch den aktuellen Preis von 25 Euro je Tonne CO2 Heizöl und Diesel knapp 8 Cent pro Liter und Benzin etwa 7 Cent pro Liter teurer geworden. Bis zum Jahr 2026 soll der CO2-Preis nach jetziger Gesetzeslage auf maximal 65 Euro ansteigen. Dies wird Heizöl und Diesel um etwa 20,5 Cent und Benzin um gut 18 Cent pro Liter verteuern.

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Auch wenn die CO2-Bepreisung eine hocheffektive Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel ist, wird es voraussichtlich eine Zeit dauern, bis sich ihre Wirkung voll entfaltet. Kurzfristig ist hingegen nur mit moderaten Auswirkungen auf den Verbrauch fossiler Kraft- und Brennstoffe zu rechnen. Wer im Alltag auf das Auto angewiesen ist, wird den Spritverbrauch selbst bei gestiegenen Preisen kurzfristig kaum reduzieren, zumal die Preisanstiege ungefähr den täglichen Preisschwankungen an den Zapfsäulen entsprechen. Mindestens ebenso schwierig sind Einsparungen beim Heizen. Mittel- bis langfristig dürfte das Kalkül hinter der CO2-Bepreisung aber vollumfänglich aufgehen: Im Wissen um die jährliche Verteuerung fossiler Energie durch den CO2-Preis werden Konsumenten bei Neuanschaffungen von Autos und Heizungssystemen zunehmend auf energieeffizientere und treibhausgasärmere Alternativen setzen.

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Manuel Frondel ist Leiter des Kompetenzbereichs "Umwelt und Ressourcen" am RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Professor an der Ruhr-Universität Bochum.

Michael Pahle ist Forschungsgruppenleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Ottmar Edenhofer ist Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) sowie Professor an der Technischen Universität Berlin.

Christoph M. Schmidt ist Präsident des RWI und Professor an der Ruhr-Universität Bochum.

 

Quelle: F.A.Z.
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